Passionsdialoge… Römer 5

Passionsdialoge… Römer 5

Der Gast: „Aber Michael, du vergisst den Zorn Gottes! In Römer 5 geht es um die Rettung vor dem Gericht. Gott ist heilig, seine Gerechtigkeit fordert ein Opfer. Ohne das Blut Christi gäbe es nur die Verdammnis.“

Michael: „Ich sehe das Opfer, aber ich sehe darin keine Bestätigung für einen gewalttätigen Gott. Ich sehe darin das Ende aller Gewalt. In Römer 5 zeigt uns Paulus einen Gott, der nicht auf ein Opfer wartet, um versöhnt zu sein, sondern der sich selbst hingibt, um uns die Angst zu nehmen. Die Gerechtigkeit Gottes ist nicht, dass er Sünder vernichtet, sondern dass er sie aufrichtet. Sein Zorn richtet sich gegen alles, was das Leben klein macht – nicht gegen uns.“

Martina (als Brücke): „Vorsicht mit dem Wort ‘Zorn’. In der Winterhilfe am Bahnhof sehe ich genug Zorn und Gewalt. Wenn Gott nur ein noch mächtigerer Richter ist, dann ist das keine frohe Botschaft, sondern nur eine Drohung. Michael, wie passt dein ‘Alabaster-Prinzip‘ hier rein?“

Michael: „Es passt perfekt. Die Liebe Gottes wird ‘ausgegossen’. Das ist kein juristischer Akt, das ist eine leidenschaftliche Verschwendung. Gott hält sich nicht an die Regeln der Vergeltung. Er bricht sein eigenes Gesetz der Strafe durch die Leidenschaft der Gnade.“

Der klassische Aufbau des Römerbriefs

1. Teil: Die Diagnose – Der Zorn Gottes (Kapitel 1,18 bis 3,20)

      • Die These: „Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart…“

      • Inhalt: Paulus beschreibt, dass alle – sowohl die Heiden (durch ihre Gottlosigkeit) als auch die Juden (durch das Gesetz, das sie nicht halten können) – unter der Sünde stehen.

      • Die Falle: Hier setzen Fundamentalisten oft an: Gott als der „Gewalttätige“, der Recht fordert. Aber eigentlich will Paulus hier nur zeigen:

Niemand ist besser als der andere. Wir sitzen alle im selben Boot der Unvollkommenheit.

2. Teil: Die Therapie – Die Rechtfertigung aus Gnade (Kapitel 3,21 bis 8,39)

      • Die Wende: Hier befinden wir uns gerade (Römer 5!).

      • Inhalt: Da der Mensch es aus eigener Kraft nicht schafft (das Gesetz macht uns nur unsere Fehler bewusst), tritt Gott in Vorleistung.

      • Das Alabaster-Element: Es ist kein Handel, sondern ein Geschenk. Jesus ist hier nicht der „Puffer“ vor einem bösen Vater, sondern die sichtbare Liebe Gottes, die das alte System von Schuld und Sühne sprengt. Hier kommt das „Viel mehr“ ins Spiel….

Römer 5 ist der Übergang vom „Ich muss“ (Angst vor Gewalt) zum „Ich darf“ (Frieden durch Gnade).

Ist die Alabaster-Metapher in Römer 5 anwendbar?

Paulus schreibt in Römer 5,5:

„…denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist.“

Das griechische Wort hier ist ekcheō – das gleiche Wort, das bei der Salbung in Bethanien für das Ausgießen des Öls verwendet wird.

      • Der Baptist sieht hier vielleicht eine „Blut-Transfusion“ (das notwendige Opfer).

      • Du (mit dem Alabaster-Prinzip) kannst sagen: Hier wird das Wesen Gottes sichtbar. Gott ist kein Tresor, der Gnade unter Verschluss hält. Er „zerbricht“ sich selbst in Christus, damit die Liebe nicht nur tröpfelt, sondern fließt. Es ist eine göttliche Verschwendung, die jede juristische Logik (Auge um Auge) sprengt.

      • Der Baptist: „Wir müssen uns demütig beugen. Gottes Wege sind unerforschlich, er lenkt alles nach seinem Willen – auch das Gericht. Wer sind wir, dass wir mit unserem Denken Gott dreinreden?“

Michael: „Ich glaube, du unterschätzt die Freiheit, die uns Römer 5 schenkt. Wir sind keine Marionetten an Gottes Fäden. Wenn es heißt ‘Gott lenkt’, dann meine ich: Er gibt meinem Denken die Richtung vor – weg von der Angst vor Strafe, hin zur Leidenschaft für den Nächsten. Ein tiefgründiges Planen ist geradezu unsere Pflicht! Wir müssen vorausschauen, wie wir die Liebe, die Gott uns ‘ausgegossen’ hat, am klügsten einsetzen. Das ist kein passives Ertragen, sondern ein aktives Gestalten aus der Gewissheit heraus, dass wir ‘von guten Mächten geborgen’ sind.“

Martina: „Das gefällt mir. Denken als Widerstand gegen die Hoffnungslosigkeit. Nicht warten, bis Gott ein Wunder tut, sondern planen, wie wir selbst zum Wunder für andere werden können.“

Ukrainischer Vater

„Der Mensch denkt, Gott lenkt“

nach Sprüche 16,9: „Des Menschen Herz plant seinen Weg, aber der Herr lenkt seinen Schritt“)

Gott ist der Rückenwind für mein freies Denken.

1. Denken als Gottesdienst (Gegen den Kadavergehorsam)

Ein fundamentalistisches Verständnis verlangt oft das „Abschalten“ des Verstandes zugunsten eines blinden Gehorsams gegenüber dem (strafenden) Gesetz.

  • Deine Gegen-Position: In Römer 5 steht am Anfang die Rechtfertigung. Das bedeutet: Die Fronten sind geklärt, der Krieg ist aus. Erst dieser Friede macht den Kopf frei für „tiefgründiges Denken“. Wer keine Angst mehr vor dem Zorn Gottes haben muss, kann endlich angstfrei planen.

  • Die Ermächtigung: Das „Denken“ des Menschen ist kein vergebliches Unterfangen, sondern die Ausübung seiner Gottebenbildlichkeit. Gott „lenkt“ nicht, indem er uns die Steuerung aus der Hand reißt, sondern indem er unserem Denken ein Ziel und eine Weite gibt, die über unsere eigene kleine Bilanz hinausgeht.

2. „Gott lenkt“ als Korrektiv zur Härte

Wenn wir planen, neigen wir dazu, uns in unseren eigenen Systemen zu verhärten (das Alabastergefäß festzuhalten).

  • Deine Deutung: Das „Lenken“ Gottes ist hier das Alabaster-Prinzip in Aktion. Es ist die schöpferische Unruhe. Gott lenkt uns weg von der Starrheit des Gesetzes hin zur Beweglichkeit der Liebe. Er „lenkt“ unsere Pläne dort um, wo sie lebensfeindlich oder zu „hart“ werden. Das ist kein „Maulhalten“, sondern ein ständiger Dialog zwischen meinem Plan und Gottes Leidenschaft.

3. Römer 5 und die „Vorausplanung“

Paulus schreibt in Römer 5,3-4: „…wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.“

  • Das ist eine Kette des vorausschauenden Denkens. Es ist kein passives Erleiden, sondern eine aktive Verarbeitung der Realität. Man schaut dem Leiden ins Auge, denkt es durch („Geduld/Bewährung“) und plant auf dieser Basis die Hoffnung. Das ist das Gegenteil von Fatalismus; es ist die Konstruktion einer Zukunft trotz widriger Umstände.

Wenn Paulus sagt, dass die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen ist, dann meint er: Wir sind jetzt prallvoll mit Sinn. Wir müssen nicht mehr um uns selbst kreisen, sondern können endlich das tun, wofür wir da sind: Für andere wichtig sein. (Geo42…)

sinn

Israel – Extremisten an der Macht | Doku HD Reupload | ARTE

So schmerzhaft Ihr das empfinden werdet, möchte ich Euch doch auch diese Reportage empfehlen.

Inspiriert von unserem Gespräch zum Heiligen Geist, meine Fürbitte für die

5. Passionsandacht.

Fürbitte II (Mittelteil der Trilogie Gemeinde, Frieden, Schöpfung)

Vorspruch:

Shalom, Salaam, Frieden!
Herr, lass uns dich feiern, dir danken und dich lobpreisen! Bleib bei uns, wie wir uns mühen, dein Wort und deine Pflugscharen zu sein, deine Liebe zu mehren und uns zu versöhnen. In der allesdurchdringenden Dreifaltigkeit suchen wir deinen Frieden und rufen dich an:

1. Der persönliche Friede (Gott Vater)
Vater, du bist das Objekt unserer Sehnsucht und unserer Leidenschaft. Wir bitten dich um den persönlichen Frieden, den du jedem und jeder einzelnen von uns schenkst. Es ist die Ruhe, die Entschleunigung und die Vergebung, die wir finden, wenn wir uns dir nahe wissen.

2. Der Friede untereinander (Jesus Christus)
Herr Jesus Christus, menschgewordener Gott, schenk uns die Fähigkeit, deinem Vobild folgend: nicht zu gieren oder zu neiden; nicht lügen, betrügen, übervorteilen zu wollen oder zu müssen. Lass uns Grenzen einreißen, wo sie den Menschen Leid bringen, weil sie deine Kinder von dir – und uns – trennen. Wir bitten dich: Lass uns überall aussprechen und verurteilen, wo Hass, Gewalt, Krieg und Feindschaft so grausam Überhand nehmen – ob tief verwurzelt in den Systemen wie in Amerika, ob eiskalt kalkuliert wie in Osteuropa oder oder einfach nur blind zerstörerisch wie im Mittleren Osten.

3. Der geopolitische Friede (Heiliger Geist)
Heiliger Geist, du Geist der Wahrheit: Lass uns nicht blenden! Lass uns nicht eitel in Empörungslyrik oder Behauptungsrhetorik verfallen, sondern bring uns das göttliche Licht und lass es scheinen auf und in dieser, unserer Welt. Wir bitten dich: Wirke so, dass aus jeder Ecke die Dunkelheit weiche und deine Liebe und deine Kraft lebendig werden, in all ihrer Herrlichkeit.

Wir rufen zu dir:
(Einsatz Kyrie eleison)

Komm Heilger Geist

 

   

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