Friedensgespräche mit in der Ukraine inhaftierten Geistlichen

Ausgangslage: Unsere Gemeinde ist Gastgeberin einer ukrainisch-orthodoxen Gemeinde, die im Kontext des kriegerischen Überfalls Russlands bei uns Schutz und geistliche Heimat gefunden hat. Gleichzeitig stehen Teile der ukrainischen Orthodoxie, nämlich jene mit Bindung an das Moskauer Patriarchat, unter Verdacht der Kollaboration – viele Geistliche sind inhaftiert. Dies stellt uns vor eine geistlich und ethisch herausfordernde Situation.

Ziel des Projekts: In Anerkennung unserer ökumenischen, christlichen und menschenrechtlichen Verantwortung möchten wir den Versuch unternehmen, geistliche Friedensgespräche mit inhaftierten Geistlichen zu führen – mit dem Ziel,
– christlich-geschwisterlichen Kontakt herzustellen,
– geistliche Gewissensentscheidungen sichtbar zu machen (z. B. Kriegsdienstverweigerung, Loyalitätskonflikte),
– Versöhnungsperspektiven innerhalb des orthodoxen Christentums sowie zwischen der Orthodoxie und der evangelischen Kirche zu fördern,
– als Kirchengemeinde Zeichen der Friedensverantwortung zu setzen.

Theologische Grundlage:
– Mt 5,9: „Selig sind, die Frieden stiften“
– Röm 12,21: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“
– 2 Kor 5,20: „So sind wir nun Botschafter an Christi statt“
– Bezug auf Psalm 34 und Hesekiel 36 (innere Reinigung und äußere Umkehr)

Praktisches Vorgehen:
– Kontaktaufnahme zu Menschenrechtsorganisationen, die Zugang zu Inhaftierten ermöglichen
– Theologische Begleitung (z. B. durch Friedensbeauftragte der Landeskirche, EKD, ACK)
– Dokumentation der Gespräche
– Veranstaltung / Dialogformate in unserer Gemeinde zur Reflexion

Besonderer Fokus:
– Reflexiv-transformative Annäherung: Wir suchen nicht schnelle politische Lösungen, sondern geistliche Prozesse
– Kein parteiliches Urteil, sondern Raum für differenzierte Perspektiven
– Sensibler Umgang mit der Gastgeberrolle gegenüber der aktuellen ukrainischen Gemeinde

Mögliche Risiken:
– Politische Missdeutung als Parteinahme
– Spannungen mit der gastierenden Gemeinde
– Schwieriger Zugang zu Inhaftierten

Eigeninteresse / Motivation:
Als Mitglied dieser Gemeinde ist es mir ein tiefes Anliegen, dass wir unserer Verantwortung als Friedensgemeinschaft gerecht werden – nicht nur durch Gebet, sondern auch durch konkrete geistliche Zeichen in dunkler Zeit.

   

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>