Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde
Passionsandachten 2026
„Mit Gefühl – sieben Wochen ohne Härte“
1. Passionsandacht, Aschermittwoch, 18.Februar
Team Martina Baumann und Michael Ickes
„Mit Sehnsucht“ (1. Könige 3, 7&9)
dank an Pfarrer Wolf Fröhling für die musikalische Begleitung zu:
1. „Wir gehen hinauf nach Jerusalem“ (siehe umseitig)
2. „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“ (EG 171)
3. „Von guten Mächten“ (EG 65)
4. „Nun gehören unsere Herzen“ (EG 93)
Lesungen:
– 1. Moses 3: der Sündenfall
– Psalm 69: Hilferuf eines Leidenden und Armen
– Johannes 12, 1-11: Salbung in Bethanien
– Johannes 12, 12-19: Einzug in Jerusalem
Passionsandacht 18.02.2026,
im der Nathanaelkirche – 19:00 Uhr ct – Gruppe: Spontaninitiative (Ickes/Baumann)
4. Fröhling: Musik zur Einstimmung: …wir gehen hinauf nach Jerusalem
1 Wir gehn hinauf nach Jerusalem
in leidender Liebe Zeiten
und sehen, wie einer für alle stirbt,
um uns einen Platz zu bereiten.
2 Wir gehn hinauf nach Jerusalem.
Wer will bei dem Herren bleiben
und kosten von einem so bittern Kelch?
Die Angst soll uns nicht von ihm treiben..
3 Wir gehn hinauf nach Jerusalem,
das Opfer der Welt zu sehen,
zu spüren, wie unsere Not vergeht,
und unter dem Kreuze zu stehen.
4 Wir gehn hinauf nach Jerusalem,
zur Stätte der ewgen Klarheit.
Wo Leiden und Ohnmacht in unsrer Welt,
da finden wir Christus in Wahrheit.
5. Martina: Begrüßung; Vorstellung der Akteure (Ickes, Fröhling und Baumann), Kollektenansage, – Matema
6. Michael: Votum
Das Votum der Leidenschaft (Passion)
Wir feiern diese Andacht im Namen des Vaters, der uns das Leben als Gabe, nicht als Beute anvertraut hat,
im Namen des Sohnes, der das Leiden der Welt durch die Leidenschaft seiner Liebe durchbrach, und
im Namen des Heiligen Geistes, der unsere verhärteten Herzen auflöst wie eine Wolke am Morgen.
Alle: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Votumstext (Der Bogen): Wir stehen am Beginn der Passionszeit. Wir kommen aus der Geschichte des Sündenfalls, in der wir uns die Welt „zu eigen machen“ wollten und dabei die Freiheit verloren.
Wir blicken auf das Alabastergefäß von Bethanien: Dort, wo die Leidenschaft des Schenkens die Angst vor dem Leiden besiegt. Dort, ein kleiner Teil – ein Duft, ein Tropfen – der für das Ganze steht: Die Erlösung, die nicht im Festhalten, sondern im Loslassen beginnt.
Votum (Die Zusage): Gott, der du das Maß der Welt in Händen hältst, sei du die Mitte in unserem Dienst am Nächsten. Gib uns die Kraft, ohne Härte zu bleiben und das Unersetzliche in jedem Menschen zu sehen. Lass uns nicht nur die Not verwalten, sondern das Leben feiern, wo immer wir ihm begegnen.
Alle: Amen.
Wir singen nun die ersten beiden Strophen des Liedes, das Dietrich Bonhoeffer im Winter 1944 im Kellergefängnis des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) in der heutigen Niederkirchnerstraße, wenige Monate vor seinem Mord am 9.April 1945, geschrieben hat. Im Anschluss daran sprechen wir zusammen den Psalm 69, dann die Strophen 3 und 4.
7. Fröhling und Alle; Lied: „von guten Mächten“ – Vers 1 – 2
Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.
8. Martina: Ansage Psalm: Psalm 69: Hilferuf eines Leidenden und Armen
Weiblein und Männlein im Wechsel
1 Für den Chormeister. Nach der Weise Lotusblüten. Von David.
2 Rette mich, Gott, denn das Wasser geht mir bis an die Kehle!
3 Ich bin versunken im Schlamm des Abgrunds und habe keinen Halt mehr. In Wassertiefen bin ich geraten, die Flut reißt mich fort.
4 Ich bin erschöpft von meinem Rufen, es brennt meine Kehle. Mir versagen die Augen, während ich warte auf meinen Gott.
5 Zahlreicher als auf meinem Kopf die Haare sind die, die mich grundlos hassen. Mächtig sind, die mich verderben, / meine verlogenen Feinde. Was ich nicht geraubt, das soll ich erstatten.
6 Du, Gott, kennst meine Torheit, meine Verfehlungen sind dir nicht verborgen.
7 Nicht sollen zuschanden werden durch mich, die auf dich hoffen, Herr, GOTT der Heerscharen, nicht sollen durch mich beschämt werden, die dich suchen, du Gott Israels.
8 Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.
9 Entfremdet bin ich meinen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.
10 Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.
11 Ich habe geweint und gefastet, es brachte mir nur Verhöhnung.[1]
12 Ich legte als Gewand ein Bußkleid an, ich wurde ihnen zum Spottvers.
13 Es reden über mich, die am Stadttor sitzen, Spottlieder singen die Zecher beim Wein.
14 Ich aber komme zu dir mit meinem Bittgebet, HERR, zur Zeit der Gnade. Gott, in deiner großen Huld erhöre mich, mit deiner rettenden Treue!
15 Entreiß mich dem Sumpf, damit ich nicht versinke, damit ich meinen Hassern entkomme, den Tiefen des Wassers,[2]
9. Fröhling und Alle: Lied „von guten Mächten“ Vers 3 – 4
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.
10. Michael: Lesung aus Johannes 12, Vers 1-11,- Salbung in Bethanien
1 Sechs Tage vor dem Passafest kam Jesus nach Bethanien, wo Lazarus war, den Jesus auferweckt hatte von den Toten.
2 Dort machten sie ihm ein Mahl, und Marta diente bei Tisch; Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch saßen.
3 Da nahm Maria ein Pfund Salböl von unverfälschter, kostbarer Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber wurde erfüllt vom Duft des Öls.
4 Da sprach einer seiner Jünger, Judas Iskariot, der ihn hernach verriet:
5 Warum wurde dieses Öl nicht für dreihundert Silbergroschen verkauft und das Geld den Armen gegeben?
6 Das sagte er aber nicht, weil ihm an den Armen lag, sondern er war ein Dieb; er hatte den Geldbeutel und nahm an sich, was gegeben wurde.
7 Da sprach Jesus: Lass sie. Es soll gelten für den Tag meines Begräbnisses.
8 Denn Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit.
9 Da erfuhr eine große Menge der Juden, dass er dort war, und sie kamen nicht allein um Jesu willen, sondern um auch Lazarus zu sehen, den er von den Toten erweckt hatte.
10 Aber die Hohenpriester beschlossen, auch Lazarus zu töten;
11 denn um seinetwillen gingen viele Juden hin und glaubten an Jesus.
Fröhling und Alle: „von guten Mächtent““ Vers 5 – 7
Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Martina: Fortsetzung Lesung Johannes, 12, Vers 12-19, Der Einzug in Jerusalem
12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde,
13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!
14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht:
15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«
16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.
17 Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat.
18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.
19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach. …
11. Auslegung
Michael: Ha, Hosianna. Also doch Freude, Leidenschaft…
Martina: Wir möchten Euch gleich dazu einladen, im stillen Gebet über diese beiden Evangeliumslesungen, der Salbung in Bethanien sowie dem Einzug in Jerusalem zu meditieren. Zunächst haben wir jedoch einen kleinen Dialog zum Beginn der Passionszeit vorbereitet.
Martina: Nach meinen Gedanken ist Passion da oder dort, wo man möglichst nicht hingeht.
Michael: Aber ja doch! Genau dort suche ich die Leidenschaft. Ich brenne für Gott, und Feuer braucht Sauerstoff, Reibung, Raum!
Martina: Am Ort der Passion ist es aber unangenehm. Es riecht und stinkt; dort zu sein kostet Kraft – etwa so wie in den Pflegeheimen oder in der Winterhilfe der Berliner Stadtmission.
Michael: Du sprichst von der Diakonie, dem Dienst am Nächsten. Aber gibt es nicht auch den Ort der reinen Leidenschaft? Wenn, dann ist es die Kirche – die vom Heiligen Geist erfüllte Gemeinschaft, in der wir gemeinsam entflammen.
Martina: Am Ort der Passion ist es aber vor allem laut. Die Erde bebt. Es bestehen keine Möglichkeiten, den Alltag oder das Leben überhaupt zu gestalten – etwa so wie in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Erde.
Michael: Ich gebe zu: Diese Passion, diese Leidenschaft, hat einen Beigeschmack von Märtyrertum. Fast wie der Masochismus, der den Schmerz sucht, um sich selbst zu spüren.
Martina: Es ist mehr als Schmerz. Es ist der Mangel. Die grundlegenden Lebensbedürfnisse – Essen, Schlaf, Wärme, ein Obdach – können nicht befriedigt werden. So sieht es aus in den aktuellen Fluchtgebieten der Welt.
Michael: Und doch: Ich sehne mich nach der Überwindung dieses Leidens! Aber wie soll ich es überwinden, wenn ich es nicht erst einmal spüre, es miterlebe, mich ihm aussetze?
Martina: Am Ort der Passion ist es schlichtweg freud-, inhalts- und hoffnungslos.
Michael: Mag sein. Aber es gibt keine größere Ekstase als die Vereinigung mit Gott. Jesus, als Mensch in der Dreifaltigkeit, sehnte sich auf seinem Leidensweg nach dieser Einheit. Die Erlösung, die er sucht, ist am Ende tatsächlich gegenstandslos und frei von unseren kleinen Emotionen.
Martina: Mein Fazit bleibt: Vor dem Ort der Passion flieht man am besten.
Michael: Und mein Impuls bleibt: Feiert das Leben! Danket und lobpreiset den Herrn gerade jetzt!
Michael: Aber halt, Martina – genau hier liegt das Geheimnis, das wir das „Alabaster-Prinzip“ nennen könnten. Maria von Bethanien wartet nicht, bis das Leiden vorbei ist. Sie berechnet nicht den Wert des Augenblicks. Sie bricht das Gefäß auf. Sie verschwendet das Kostbarste, was sie hat, mitten hinein in die drohende Dunkelheit.
Das Alabaster-Prinzip ist die Weigerung, das Leben nur zu verwalten oder zu horten. Es ist der Moment, in dem die Leidenschaft die Logik des Besitzes durchbricht. Das Öl muss fließen, damit der Duft den Raum füllt. Ohne das Zerbrechen gibt es keine Heilung. Leidenschaft ist die Kraft, die das Gefäß unserer Eitelkeiten sprengt, damit wir endlich frei werden für das, was wirklich zählt.
Martina: Ich verstehe deinen Impuls, Michael. Aber ich bin skeptisch gegenüber dieser religiösen Sehnsucht nach „Passion“. Mein Hintergrund sagt mir: Vorsicht, wenn Leiden veredelt wird. Das hat oft etwas Lebensfeindliches. Es macht Menschen klein und passiv, nach dem Motto: „Trage dein Kreuz und sei still.“ In der Winterhilfe am Bahnhof sehe ich das nackte Elend – da ist nichts Heiligvolles dran, das ist einfach nur hart.
Michael: Absolut, und diese Härte ist der Skandal. Aber genau deshalb wehre ich mich dagegen, Passion nur als „Leiden“ zu lesen. Das wäre ja eine Kapitulation. Für mich ist die Geschichte in Bethanien ein Akt der Rebellion: Maria ist keine Frau, die sich unterwirft. Sie ist die Einzige im Raum, die handelt! Die Jünger verwalten noch den Mangel, aber sie setzt ein Zeichen der Verschwendung. Das ist für mich Leidenschaft: Die Freiheit, sich eben nicht klein zu machen, sondern als Berufener die Härte zu durchbrechen.
Martina: Also ist dein „Alabaster-Prinzip“ kein Loblied auf das Opfer, sondern ein Widerstand gegen die Gleichgültigkeit?
Michael: Wir würdigen das Kreuz nicht durch falsche Demut. Wir würdigen es, indem wir die Leidenschaft aufbringen, an die Orte zu gehen, die „stinken“, ohne selbst hart zu werden. Das ist kein passives Märtyrertum, das ist die höchste Form von Wirksamkeit. Wir gehen da nicht hin, um uns aufzuopfern, sondern um dem Leben dort Geltung zu verschaffen. Das befreit uns von der Eitelkeit, nur um uns selbst kreisen zu müssen.
Martina: Also ist Passion kein Ort, den man suchen muss, sondern eine Haltung, mit der man dem Unausweichlichen begegnet? Nicht weil man das Leiden liebt, sondern weil man die Leidenschaft hat, das Unerträgliche zu verwandeln?
Michael: Es ist der Dienst am Unersetzlichen. Wir machen uns nicht kleiner als wir sind, sondern wir treten als Berufene vor das Kreuz. Wir bringen das Öl der Diakonie, das Recht der Gerechten und die Neugier der Wissenschaft mit an diesen Ort. Und dort, wo wir unsere Ohnmacht und unsere Leidenschaft zusammenbringen, wird die Welt durchlässig für Gott. Das ist das lautere Heil.
Martina: Dann lasst uns in der Stille nach unseren eigenen Alabastergefäßen suchen. Nach dem, was wir bereit sind zu geben – ohne Härte, aber mit ganzer Leidenschaft.
12. Fröhling: Musik Bewahre uns Gott, behüte uns Gott
1. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen,
sei Quelle und Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen.
2. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten,
voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten.
3. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen,
sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.
4. Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen,
dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unsern Wegen.
Text: Eugen Eckert (1985) 1987
Melodie: Anders Ruuth (um 1968) 1984 »La paz del señor«
13. Fürbitten: Stille für jeden
14. Martina: Ansage Vater Unser und danach Singen wir gemeinsam das Lied:
„Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann von Golgatha“
Gemeinsam beten wir:
Vater unser, der du bist im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auch auf der Eden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern
und führe uns nicht in Versuchung
sondern erlöse uns von dem Übel,
denn dein ist das Reich und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.
15. Michael: Bitte um Segen
Wir bitten Gott um seinen Segen für unseren gemeinsamen Weg.
Herr, wir bitten dich: Segne uns und behüte uns. Wir stehen oft vor dieser Welt und müssen bekennen, was schon Salomo vor langer Zeit aussprach:
„HERR, mein Gott, du selbst hast mich zum Nachfolger meines Vaters David gemacht. Ich aber bin noch jung und unerfahren. Ich weiß nicht, wie ich diese große Aufgabe bewältigen soll.“ (1. Könige 3,7)
Wir spüren die Last der Verantwortung und die Härte der Zeit. Darum bitten wir dich mit seinen Worten:
„Gib mir ein Herz, das auf dich hört, damit ich dein Volk richtig führen und zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann.“ (1. Könige 3,9)
Lass dein Angesicht über uns leuchten. Schenke uns dieses hörende Herz, damit wir ohne Härte bleiben, wo das Leben uns fordert. Gib uns den Mut, nicht wegzusehen, wenn wir dem Schmerz begegnen – sei es in den Nachrichten oder in der Stille unserer Nachbarschaft. Lass uns wie Maria in Bethanien verstehen, dass Liebe keine Verschwendung ist, sondern die Kraft, die das Starre zerbricht.
Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden. Schenke uns jene Gewissheit Bonhoeffers aus dunkelsten Zeiten: Dass wir „von guten Mächten wunderbar geborgen“ sind, am Abend und am Morgen. Erinnere uns daran, dass wir nicht perfekt sein müssen, um Segen zu sein. Es reicht, wenn wir bereit sind, unsere Hände zu öffnen und den Duft von Bethanien – die Leidenschaft für das Leben – weiterzugeben.
Segne unser Gehen und unser Stehen, unser Klagen und unser Hoffen. Begleite uns durch diese Passionszeit und bleibe bei uns an jedem neuen Tag.
Amen.
16. Martina: Kollektenansage und Verabschiedung der Teilnehmenden
17. Fröhling und Alle (zum Ende): Lied „Nun gehören unsere Herzen…“
1) Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha,
der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah,
das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld,
das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ew’ger Huld.
2) Nun in heil’gem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha.
Tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah,
als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering,
als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.
3) Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha,
ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah,
dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor;
und die sonst des Todes Kinder, führt zum Leben er empor.
4) Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha,
die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu,
ja wir dienen dir von Herzen. Ja, du machst einst alles neu!
Liedtext: 1938, Friedrich von Bodelschwingh (1877-1946)
Melodie: 1949, Richard Lörcher (1907-1970)



One comment on “Passionsandacht”
Diese Stichworte kann Nathanael nutzen, um die „Härte“ des Paulus-Systems zu hinterfragen:
„Die künstliche Grube“: Warum muss Paulus erst die ganze Menschheit für „total depraviert“ erklären (Röm 1-3), um seine Lösung zu verkaufen? Jesus sah im Zöllner am Baum keine „Masse der Verdammnis“, sondern eine Gelegenheit zum Abendessen.
„Das Blut-Dogma“: Warum ist Gott bei Paulus ein Buchhalter, der Blut sehen muss, bevor er vergibt? In der Geschichte vom verlorenen Sohn (Lukas 15) gibt es kein Schlachtopfer – der Vater rennt einfach los.
„Offenbarung vs. Historie“: Paulus sagt, er habe sein Evangelium „nicht von Menschen“ (Gal 1). Nathanael fragt: „Ist das ein Gütesiegel oder eine Warnung? Wenn er Jesus nie zugehört hat, wie kann er dann behaupten, ihn besser zu verstehen als sein leiblicher Bruder Jakobus?“
„Angst-Rhetorik“: Die Drohung mit dem Zorn Gottes (Röm 1,18). Ist das die Liebe, von der wir am Alabaster-Tisch sprechen, oder ist das Einschüchterung?