Leitfragen für die Risikoanalyse
(gemäß
den Musterfragen des Schutzkonzept vor sexualisierter Gewalt im
Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg – Stand 21. März 2023)
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Konsolidierte Indikatoren
(aus der
Beschäftigung der Arbeitsgruppe: Ina-Maria Gorgis, Michael Ickes,
Sebastian Leenen, Maria Müller-A.)
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Erfolgt in der Kirchengemeinde eine Auseinandersetzung mit
gewaltfördernden Bedingungen wie Abhängigkeitsverhältnissen,
Machtgefälle, Fremdbestimmung?
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Sehr rudimentär und situationsbedingt: der Arbeitskreis
Risikoanalyse hat begonnen, diese Auseinandersetzung zu führen;
einzelne (Jugend-)Gruppen und Organisationen führen derartige
Auseinandersetzungen innerhalb ihres Bezugsrahmens. |
Gibt es in der Gemeinde ein Bewusstsein darüber, dass es
jederzeit zu Handlungen von (sexualisierter) Gewalt kommen kann? |
Nein, es ist kein Konsens erkennbar, ob der Brisanz von
sexualisierter Gewalt in dieser Gemeinde. (Siehe unten: wo keine
Vorfälle bekannt, kann sich auch kein Bewusstsein darüber
bilden). Spricht für die Notwendigkeit der konsequenten
Aufarbeitung lokaler Vorkommnissen (in der Gemeinde!) und
Aufklärung, ob der dynamischen Sachlage (z.B. dass sich Standards
und Kriterien für Grenzüberschreitungen und sexualisierter
Gewalt über die Zeit hinweg eben auch ändern können). |
Welche Grenzüberschreitungen (auch sprachliche Überschreitungen)
sind im Gemeindealltag bereits in der Vergangenheit passiert? |
Es sind keine Vorfälle bekannt, identifiziert oder dokumentiert. |
Wo sind schwierige Situationen, die zu Grenzüberschreitungen
führen könnten? |
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Kinderchor:
z.B. Abholsituation mit einem verbleibenden Kind
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Orgelunterricht:
Zweier-Situation;
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Kindermusicalarbeit:
Nutzung vieler (auch verborgener) Räume, viele
Helfer:innen
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Familiengottesdienste:
großes wechselndes Team stiftet Verunsicherung
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Kindergottesdienste:
Bei bestimmten Gelegenheiten (Taufen, Feste) viele
verschiedene unbekannte Menschen…
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Konfirmandenarbeit:
z.B. auf Fahrten. Separate, sexualisierte-Gewalt-spezifische
Vorbereitung ist angezeigt und wird praktiziert.
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„Teamer“:
Problem der Hierarchien/Abhängigkeiten
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Kinderfreizeit,
Jugendfahrt: Schulung aller Mitarbeitenden findet
statt
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Kitas:
Die Gemeinde-eigene Kitas haben separate Schutzkonzepte, die
jährlich vom GKR gemonitort werden.
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Pfadfinder
Phoenix CJF haben eigene Schutzkonzepte.
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(Kinder
der)
eritreischen/
ukrainischen
Gemeinde
mögen
kulturbedingt abweichende Vorstellung von einem christlichen
Umgang miteinander haben. Praktiken wie Genitalverstümmelung
oder Chauvinismus, auch kriegs- und fluchtbedingte
Verhaltensmuster, mögen dezidiert (auf spezifischen
Infoveranstaltungen oder Themenabenden) angesprochen werden
und
damit in Austausch getreten werden.
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Welche Schritte können unternommen werden, um
Grenzüberschreitungen zu vermeiden?
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Für alle identifizierten Risikosituationen sollen praktikable
Abläufe entwickelt und definiert werden, breit (und
wiederholt) kommuniziert, implementiert und zur
integrierten Qualitätssicherung regelmäßig kontrolliert
(gemonitort) werden. Verschiedene Szenarien wurden bereits in dem
Arbeitskreis (gebrainstormt /) gesammelt, doch ohne ein
gesamtheitliches (systematisches, planmäßiges) und verbindliches
Vorgehen können diese individuellen Vorgehensweisen nicht ihre
Wirkung entfalten (sondern sind schlechtestenfalls
kontraproduktiv).
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Standard-Setting: Der Schutz vor sexualisierter Gewalt ist
zeitgenössisch eine vornehmliche Aufgabe der evangelischen
Kirche. Denn sexualisierte Gewalt pervertiert und konterkariert
die Liebe und den Frieden Gottes. Dieser Grund- und Ansatz möge
durch Leitbild-Entwicklung und Propagation tief in der
Gemeindearbeit verankert werden. Grenzen (und erst damit
Grenzüberschreitungen) mögen dergestalt sichtbar gemacht werden.
Eine Aufgabe der Curriculum-Entwicklung. Vertrauensbildung
ein weiterer Aspekt.
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Aufklärungsarbeit bez. der zeitgenössischen Situation und
Gefahren auf allen Ebenen und in allen möglichen Formaten
(Infoveranstaltungen, Diskussionsrunden, Themenabende, …) ist
angezeigt, sowie „Mainstreaming“ von sexualisierter
Gewalt: ehrenamtliche / gemeinde Willkommenskultur / Personal- /
Gliedergewinnung, wiederholender TO in den Gremien,
„Agendasetting“ für Öffentlichkeitsarbeit,
(Vorbereitungstreffen von Ausfahrten und) Veranstaltungen.
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Training (Qualifikation) von Haupt-/Ehrenamtlichen als
Multiplikatoren (die ihre neu gewonnene Fachkompetenz (z.B.
Windelwickeln in die Gemeinde und darüber hinaus tragen). Den
Pfarrer in den entsprechenden Fortbildungskurs schicken, um in die
Predigten einzubauen.
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Gibt es Regeln für den angemessenen Umgang mit Nähe und Distanz
oder ist dies den beruflichen Mitarbeitenden überlassen?
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Es
gibt Regeln (aus der pädagogischen Praxis), wie: erst fragen
bevor umarmen. Wie sie sich in der pädagogischen Praxis
durchsetzen, so werden sie von qualifizierten Mitarbeitern
umgesetzt und befolgt. Darüber hinaus verläuft die individuelle
und damit eine kollektive Bewusstseinsbildung unvereinheitlicht
und schleppend. Der Verhaltenskodex hängt zwischenzeitlich aus,
wenn darauf angesprochen reagieren Glieder und Menschen im Detail
kontrovers.
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Sind diese Regeln den Gemeindegliedern bekannt (ggf. in leichter
Sprache / Gebärdensprache)
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Im
Allgemeinen ist der EKBO Verhaltenskodex bekannt, im Detail ist er
allerdings umstritten. Er bildet eine gute Basis und Anregung für
Sensibilisierung, Diskussion und Bewussseinsbildung. Eine
Vermittlung des Verhaltenskodex möge entsprechend darauf
abzielen.
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Entstehen bei der Arbeit besondere Vertrauensverhältnisse und wie
kann vorgebeugt werden, damit diese nicht ausgenutzt werden?
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Selbstverständlich
entstehen in der Gemeindearbeit Vertrauensverhältnisse. Die
Formalisierung dieser durch exklusive seelsorgerische sowie
Parr-Gespräche bietet eine gewisse Sicherheit. Im Zuge einer
Aufarbeitung und Aufklärung müssen deren Praktiken, Techniken
und Ergebnisse unter (öffentliche / gemeindeinterne,
kontinuierliche) Prüfung.
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Finden Übernachtungen in den Gemeinderäumen statt? Welche
Risiken bringen diese mit sich?
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Nein,
im Zuge der wachsenden Verantwortung und Risiken (u.a. von
sexualisierter Gewalt) wurde derartig Risikobehaftete
Veranstaltungen gestrichen.
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Gibt es spezifisch bauliche Gegebenheiten, die Risiken bergen
(versteckte Räume o.ä.)?
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Standort
Philippus
Standort
Nathanael
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Orange
Island ist
häufig leerstehend und vergessen;
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Verwinkelte
Bauweise und
die Schlüsselliste ist nicht vertrauenserweckend;
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in
der Kirche gibt es verborgene Räume, deren Existenz
Neuankömmlingen nahe gebracht werden sollte.
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Gibt es nicht aufgearbeitete Vorerfahrungen mit sexualisierter
Gewalt?
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Keine
bekannten. Das kann einerseits an keinen Vorkommnissen liegen,
oder aber die Gemeinde ist sich nicht in vollem Umfang bewusst, ob
der Niederschwelligkeit von sexualisierter Gewalt.
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Gibt es klar definierte Zuständigkeiten?
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Kaum.
Für Hauptamtliche gibt es Stellenbeschreibungen aber keine
(gesammelten) Aufgabenbeschreibungen für Ehrenamtliche oder
Beauftragungen des GKR.
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Wie sehen die vorhandenen Strukturen aus?
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Das „Leitungsteam“ des GKR setzt die Agenda, der GKR nickt ab.
Der GBR als Plattform der verschiedenen Gruppen versteht sich
weitgehend als ausführendes Organ.
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Welche Kommunikationswege bestehen in der Gemeinde? Sind sie
transparent oder leicht manipulierbar?
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Die
Kommunikationswege sind fragmentiert, intransparent und ad hoc.
ChurchDesk konkurriert mit dem Provider des Kirchenkreises.
Private Emails, WhatsApp Gruppen und Signal laufen parallel.
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Gibt es wirksame präventive Maßnahmen bei bereits
identifizierten Risiken?
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Die Gemeindearbeit tendiert dazu, die Angebote zu kürzen, wenn
dabei Risiken identifiziert werden. Beispiel: Gesprächskreis
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Welche Bedingungen, Strukturen oder Arbeitsabläufe könnten aus
Täter- und Täterinnensicht bei der Planung und Umsetzung von
Taten genutzt werden?
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Ehrenamtliche / Freiwilligenarbeit, fragmentierte und
verschachelte Zuständigkeiten (Gemeinde / Region / Kirchenkreis /
AKD / …)
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Thematische Bereiche, die bei einer Risikoanalyse berücksichtigt
werden sollten
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Interkultureller Kontext;
LGBTIQ
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