Namensgebung

Hallo Ihr Lieben, weniger Lieben, Bösen und Bescheuerten

hatte mich im Private schon intensiver mit eurer David-Bowie-Brücken-Benennung auseinander gesetzt und fühle mich gehalten, den Senf auch noch hier abzuladen.

Unbenannt

Das stärkste Argument gegen euren Plan kam in der BVV am Mittwoch von Seltz, der sich gegen die Umbenennung der Monumenten-Brücke aussprach, weil es eine “Notlösung” wäre: Weil eine andere Benennenung nicht möglich ist, nehmen wir halt die Monumentenbrücke. Das ist nicht würdig.

Interessanter Weise sind ja zwei andere Brückenbenennungsverfahren am Laufen: Das für Hatun Sürücü zu dem Kaddatz eine ausführliche Erklärung vorgelegt hatte (Drs 1387/XIX), sowie jenes für den “Schwarzen Steg” (meine Präferenz, mit BVV Beschluss: “Mariendorfer-Hafen-Steg”)

Die 3 Beispiele lassen sich jeweils einer abduktiven, induktiven und deduktiven Herangehensweise zuordnen. Wenn Ihr es ernst meint, die Namensnennung zu eurem Programm für nächste Wahlperiode zu machen, werdet Ihr nicht umhin kommen, Euch damit auseinander zu setzen.

Für Piraten vielleicht von besonderer Bedeutung ist der Aspekt der Schnelllebigkeit, auf den Ihr bei einer angemessenen Auseinandersetzung mit der Thematik stoßen werdet.

Ich darf anmerken, dass einer meiner wahlprogrammatischen Pläne von 2011, die Benennung einer (Elektro-)Schrott-Deponie nach Helmut Kohl war (Dustbin of History). Tatsächlich hat sich über die Zeit ein gewisses Momentum ergeben, perspektivisch den Werdauer Weg dafür in Betracht zu ziehen.

Lg, Mi

   

7 comments on “Namensgebung”53

  • ich sehe gerade, da gibt’s einige Kommentatoren, die sich Evolution nennen, Evolution Gottes, Evolution des Staates…

    Heute also die Evolution des Glaubens. Man muss sie sich wie einen gewaltigen evolutionären Strudel vorstellen – wie eine **Cornu-Spirale**. Sie beginnt im unendlich weiten, offenen Raum des Animismus, zieht sich über die Hierarchie des Polytheismus und den kosmischen Filter des Dualismus immer rasanter und enger zusammen, bis sie im Zentrum vor der absoluten Singularität des einen, unergründlichen Gottes steht. Hier spaltet sich die Bewegung in zwei fundamentale Wege, mit dieser Unendlichkeit umzugehen.

    ## Animismus: Die offene Weite der Geister

    Am äußeren, noch flachen Ende der Spirale steht die Frühzeit der Menschheit. Eine Epoche, in der der Raum für unvorhergesehene Ereignisse riesig ist. Ich spreche hier nicht nur von vereinzelten, verstoßenen Gruppen junger Männer („Halbstarker“). Ich denke insbesondere an die Frauen und Mädchen, die zurückblieben und sich in ersten sesshaften Gemeinschaften zusammentaten – immer wieder besucht oder überfallen von den umherziehenden Männergruppen.

    Darin wurzelt auch der persistente Venus- und Muttergöttinnen-Kult. In den ansonsten stabilen Sozialgefügen der Jäger und Sammler zwang eine Krise die Gruppen dazu, ihre produktivsten Hoffnungsträger ziehen zu lassen. So entstanden neue Gemeinschaften mit einem wachsenden Überschuss an Frauen, die in der Sesshaftigkeit Schutz suchten. Eine Welt voller Geister – unberechenbar, offen, animistisch.

    ## Das Pantheon: Ordnung durch Verstädterung

    Mit der Sesshaftigkeit und Verstädterung bekommt die Spirale eine erste spürbare Krümmung. Die unzähligen Naturgeister werden abstrahiert und hierarchisch geordnet – eine logische Folge der gesellschaftlichen Arbeitsteilung und des neuen Bedarfs an Koordination.

    Es folgt die Personifizierung der Gottheiten und ihre feste Zuordnung zu Territorien. Historisch wird es dynamisch, wenn Eroberer aus den Bergen Zentralasiens – wie Sargon von Akkad (oder im metaphorischen Sinne ein zentralisierender „Sauron“) – in die fruchtbaren Ebenen Mesopotamiens eindringen. Dort angekommen, misst sich der neue Herrschaftsgott mit dem alteingesessenen Stadtgott wie Marduk. Die Götterwelten verschmelzen und hierarchisieren sich im Takt der Imperien.

    ## Der Dualismus: Das große Zusammenzurren

    Der Zoroastrismus sowie spätere gnostische und manichäische Strömungen bedeuteten einen radikalen evolutionären Schnitt: Sie räumten mit dem unübersichtlichen, oft willkürlichen Ränkespiel des Pantheons auf.

    Indem der Dualismus das metaphysische Geschehen auf zwei universelle, gegeneinander kämpfende Urkräfte reduziert – Licht gegen Finsternis, Gut gegen Böse –, zieht er die Spirale extrem eng zusammen. Er befreit den Menschen aus der Launenhaftigkeit lokaler Stadtgötter und zwingt das Kosmische in ein klares, binäres System. Das war der notwendige moralische und philosophische Katalysator auf dem Weg zur Einheit.

    ## Der abrahamitische Monotheismus und die zwei Wege zur Einheit

    Der abrahamitische Vorstoß übernahm diese Reduktion, doch der reine Monotheismus war selbst bei den Juden über Jahrhunderte keine beschlossene Sache. Bis tief in die nachchristliche Formalisierung hinein blieb das System elastisch, bezog sich immer wieder auf unterschiedliche Urgötter und war in der Praxis oft eher eine Monolatrie (die Verehrung eines Hauptgottes bei gleichzeitiger Akzeptanz anderer Mächte).

    Erst an der engsten, fast unerträglich dichten Spitze der Spirale – angesichts der absoluten, unendlichen Unergründbarkeit dieses einen Gottes – bricht sich die Evolution Bahn in **zwei gänzlich unterschiedliche Wege**:

    * **Der Weg des Islam:** Er wählt die radikale, kompromisslose Transzendenz (*Tawhid*). Gott ist der Eine, der absolut Unvergleichbare, der über allem steht. Der Islam begegnet der Unergründbarkeit durch die bedingungslose Unterwerfung unter das unnahbare Eine. Es ist der gerade, direkte Pfad in die Singularität des Monotheismus.
    * **Der Weg über Jesus (Die Trinität ):** Das Christentum wählt einen anderen, paradoxen Ausweg, um mit der unendlichen Ferne eines absoluten Gottes umzugehen. Statt im mathematischen Punkt der Singularität zu erstarren, biegt sich die Dynamik in einen ewigen Kreislauf um. Jesus ist der Versuch, das Unergründbare nahbar, erfahrbar und relational zu machen.

    In der Trinität kreist Gott als dreifaltige Bewegung (Vater, Sohn, Heiliger Geist) permanent um die eigene Einheit. Sie fängt die vorherigen Spiralwindungen genial wieder ein: Sie bewahrt die absolute Abstraktion des Monotheismus, holt aber über den Sohn das personifizierte Gegenüber und über den Geist die unmittelbare, animistische Präsenz zurück in den Orbit.

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  • Was unterscheidet den Arbeitnehmer vom Unternehmer? Gemein ist ihnen, dass sie zusammen die Sphäre der Privatwirtschaft weitgehend abdecken. Dynamisch strömen sie aus den Tiefen der subjektiven Wahrnehmung um mehr bzw. weniger strebig ein Ziel zu verfolgen, statt sich im Strudel der Routinen zu verlieren.

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  • es ist verständlich, dass Menschen aus einem anderen Kulturkreis anderen Glaubensgemeinschaften angehören. Wenn aber Menschen sich anderen Glaubensgemeinschaften zuwenden, aktiv aus ihren angestammten austreten, so ist das ein Zeichen für die Fragmentation der Gesellschaft, in der sich die Menschen nicht mehr heiisch fühlen…

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  • **Naming Bridges: A Reflection**

    Hello everyone,

    I wanted to share some thoughts on the proposal to name the “David Bowie Bridge,” which I’ve been considering more deeply in private discussions.

    At Wednesday’s BVV meeting, Seltz made a compelling argument against renaming the Monument Bridge. He described it as a “stopgap solution,” chosen only because other options weren’t feasible. This, he argued, doesn’t honor the significance of a proper naming process.

    It’s interesting to note that two other bridge-naming initiatives are currently in progress:
    1. The Hatun Sürücü Bridge, for which Kaddatz provided a detailed explanation (Drs 1387/XIX).
    2. The “Schwarzer Steg,” which I personally prefer and which the BVV has resolved to rename “Mariendorfer Hafensteg.”

    These examples illustrate three distinct approaches to naming—abductive, inductive, and deductive. If you’re serious about making naming an integral part of your next election program, I believe you’ll need to explore these methodologies thoroughly.

    For the Pirate Party, this topic might hold particular relevance due to its connection to the rapid pace of societal change, a theme that resonates with the party’s ethos.

    As a side note, one of my ideas from the 2011 election campaign was to name an (electronic) waste dump after Helmut Kohl, humorously dubbing it the “Dustbin of History.” Over the years, there’s been some momentum behind this concept, and the Werdauer Weg could potentially be considered for this in the future.

    Best regards

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