Soziale Revolution? Eine neue Revolutionstheorie

von AnarchistischerSpinner@news.piratenpartei.de

Hallo Leute

Die klassische linke Theorie, egal ob nun Marxistisch oder Anarchistisch geht ja davon aus das die soziale Revolution von der Arbeiterklasse, dem Proletariat ausgehen wird.

Nur wenn wir uns das mal ansehen, so ist das Proletariat doch zu jeden Zugeständnissen bereit um die eigenen Arbeitsplätze (oder besser gesagt Einkommensplätze) zu erhalten. Die Gewerkschaften gehen jeden Deal ein um den Abbau von Arbeitsplätzen zu verhindern, die Arbeiter fressen jeden Kompromiss da sie Angst vor Veränderung und Arbeitslosigkeit haben. Unter diesen Umständen ist es doch illusorisch zu glauben das von dieser Gruppe sowas wie eine Soziale Revolution ausgehen könnte.

Derweil jedoch ist das Kapital sehr erfolgreich darin menschliche Arbeitskraft durch Technik und Maschinen zu ersetzen um seinen Profit zu steigern. dadurch entsteht technisch bedingte Massenarbeitslosigkeit. Eine neue soziale Klasse entsteht, die Klasse des von der Arbeit befreiten jedoch weiterhin unterdrückten Prekariats. Im Gegensatz zum Proletariat hat das Prekariat nichts zu verlieren, ist also bereit den Aufstand zu wagen.

Eigendlich alle Sozialen Aufstände in den letzten 20 Jahren in Europa sind vom Prekariat ausgegangen, nicht vom Proletariat. Man denke da nur mal an die Aufstände in den französischen Banlieus, die Riots in England, die Jugendunruhen im von Massenarbeitslosigkeit geprägten Griechenland sowie Krawalle in Spanien, Mailand usw. Da waren weder das Proletariat noch die Organisationen des Proletariats (Parteien, Gewerkschaften usw) daran beteiligt.
Bemerkenswert ist auch das diese Ausbrüche der Wut und Empörung scheinbar ohne jede Politische Theorie im Hintergrund stattgefunden haben. Ein versagen der radikalen Linken das Prekariat nicht in die Revolutionsideen einzu beziehen. Vor allem da das Prekariat über ein viel höheres Revolutionspotential zu verfügen schein als das ängstliche, am status quo festhaltende Proletariat.

Statt die klassische Forderung nach Sozialismus, Kollektivierung, Vollbeschäftigung und Friede Freude Eierkuchen ala 19 jahrhundert sollte man da einen neuen Ansatz wagen.

Die Forderung nach einem revolutionären bedingungslosen Grundeinkommen und Abschaffung der Pflicht zur Lohnarbeit. Denn mit der jahrzente alten Leier von Arbeit, Mindestlohn und Vollbeschäftigung erreicht keine Linke Partei mehr das Prekariat, schon allein weil dieses den Glauben an solcherlei Versprechen längst aufgegeben hat. Aber die Forderung nach einem BGE und würdigem Leben auch ohne Arbeit könnte sich in Zeiten zunehmender technisch bedingter Prekarisierung durchaus zu einem neuen revolutionären Hebel gegen die Interessen das Kapitals entwickeln. Da der techinsche Fortschritt immer weiter geht und Arbeit weg rationalisiert ist zu erwarten das das Prekariat von einer kleinen Randständigen Klasse in Zukunft zu einem immer mächtigeren Akteur heranwachsen wird.

Linke, Anarchistische Aktivisten sollten deshalb die Zielgruppe wechseln, statt das Proletariat zu erreichen voll auf die Klasse der Zukunft setzen, das Prekariat. Denn diese klasse hat im Gegensatz zum Proletariat nicht zu verlieren, jedoch die Welt zu gewinnen wenn sie sich die Freiheit von repressivem kapitalistisch, bürgerlichem Sozialstaat und Arbeitszwang erkämpft.

Was meint ihr ?

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4 thoughts on “Soziale Revolution? Eine neue Revolutionstheorie

  1. Hallo AnarchistischerSpinner.

    Dem “Proletariat” wurde (von Marx) aus Gründen revolutionäres Bewusstsein bescheinigt. Die Konsequenz des proletarischen Bewusstsein war die Entwicklung der Nationalstaaten, in ihnen realisiert sich die “Diktatur des Proletariats”. Daran ist zu ersehen, dass das realexistierende Proletariat alles andere als international war.

    Revolution ist niemals selbst ein Ziel, sondern ein (das Letzte) Mittel um ein Ziel zu erreichen. Was ist “soziale Revolution”? Wozu ist sie nötig, welche Veränderungen sollten durch sie umgesetzt werden. Sind die möglichen Ziele nur auf revolutionärem weg erreichbar oder auch auf evolutionärem.

    Wenn wir uns das genau ansehen, dann sollte als erstes auffallen, dass das Proletariat heute kaum mehr zu finden ist. Die klassische (linke) Theorie kritisierte in erster Linie die Verhältnisse im kapitalistischen System. Kapitalismus basiert auf einer Handel treibenden, Waren produzierenden Wirtschaft. Kaum einer wird bestreiten wollen, dass es Arbeitermassen waren die das Bild des 19. und 20. Jhd. bestimmten.

    Heute leben wir in der Dienstleistungsgesellschaft. Eine Dienstleistung ist keine Ware. Ihr fehlt nämlich die Körperlichkeit, sie ist kein Ding das unabhängig vom Produzenten (Arbeiter) existiert. Sie kann daher nicht von einem Dritten angeeignet werden.
    Die Dienstleistung beschreibt eine direkte Beziehung zwischen Produzenten und Konsumenten. Sie wird während der Produktion konsumiert. Die kapitalistische Aneignung des Arbeitsproduktes ist somit unmöglich. Dienstleistungsgesellschaft und Kapitalismus schließen sich aus. (Zur Dienstleistungsgesellschaft gehört daher eher der Menschenhandel)

    Das proletarische Lebensideal, nämlich seine Arbeit für die Gemeinschaft zu leisten, also ein Produkt für andere zu fabrizieren, um dadurch ein (moralisches) Anrecht auf einen Teil des gesellschaftlichen Gesamtprodukts zu erwerben, hat sich in der Dienstleistungsgesellschaft überlebt.
    Darum ist das proletarische Verlangen nach Arbeit heute reaktionär und die Gewerkschaft als Vertreterin proletarischer Interessen macht dieser reaktionären Einstellung alle Ehre

    Das “Kapital” ersetzt nicht Arbeitskraft durch Technik, sondern es sind die Menschen selbst deren Kreativität und Forschergeist für Innovation verantwortlich zeichnet. Im Gegenteil, das “Kapital” verhindert den Fortschritt indem es durch Patent- und Urheberrechte die Möglichkeiten des Menschen seine Fähigkeiten zu entfalten enorm (bis zur Unerträglichkeit) beschneidet.

    Es geht m.E. nicht darum, was zu verlieren, sondern was zu gewinnen ist.
    Also was ist das Ziel der Revolution . des Aufstands?

    Wie gesagt das Proletariat spielt in der Dienstleistungsgesellschaft nur noch eine marginale Rolle. Die Frage die wir zu klären hätten wäre, was die Menschen heute tun sollen, da die Arbeitsnotwendigkeit offensichtlich weg fällt. Die gesamte Erziehung, die Zukunftsvorstellungen sind ja am “Arbeiterideal” angelehnt.
    Wenn also die produktive Arbeit für die Gesellschaft nicht mehr Grundlage zur Einkommensgenerierung ist, was dann?

    Die Antwort ist einfach:
    Seit jeher existieren zwei Arten des Einkommensbezugs. Einmal durch eigene Arbeit und einmal durch ein Rechtssystem, das den Anspruch auf fremdes Arbeitsprodukt sichert.
    z.B. Beamtenbesoldung oder Abgeordnetenvergütung oder die Finanzierung öffentlich rechtlicher Medien usw.

    Das Anrecht auf einen Teil des gesellschaftlichen Gesamtproduktes wird in der Dienstleistungsgesellschaft also durch Gesetze geregelt.

    Der Proletarier erstellte ein materielles Produkt, er schuf durch seine Arbeit seine eigenen Reproduktionsmittel. Und er schuf mehr Produkte als für seinen Erhalt notwendig, das machte seine Arbeit für die Gemeinschaft wertvoll. (Darum z.B. Anwerben von Gastarbeitern)

    Der Dienstleister erstellt nichts Materielles. Damit ein Dienstleister überhaupt arbeiten kann benötigt er Zugriff auf das Arbeitsprodukt anderer.

    Während die “Bezahlung” des Arbeiters sich aus dem Ergebnis seiner Arbeit selbst speist, seine “Bezahlung” kann nicht höher ausfallen als der Verkauf seines Arbeitsproduktes nach Abzug sonstiger Kosten einbringt, seine Arbeit also die Voraussetzung für die “Bezahlung” ist, stellt sich die Sache beim Dienstleister anders dar.

    Der Dienstleister kann überhaupt erst arbeiten wenn und solange er Zugriff auf einen Teil des Gesamtproduktes erhält.

    Beim Arbeiter ist “Bezahlung” das Ergebnis der Arbeit beim Dienstleister ist die Bezahlung Voraussetzung für seine Arbeit.
    Die Dienstleistung kostet daher der Gesellschaft materiellen Reichtum.
    Und das Einkommen des Dienstleisters ist nicht an dem Wert des Arbeitsproduktes zu messen. Es richtet sich daher nach menschlichen, in Gesetz gegossenem Ermessen.

    Je näher die Beziehungen einer Gruppe zur Rechtsprechung, desto höher fallen ihre rechtlich zugesicherten Einkünfte aus.

    Das Prekariat, besteht nun aus den Menschen, die keinen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Einkommen haben wie z.B. die öffentlich-rechtlichen Medien oder die Abgeordneten, und deren Arbeitskraft in der Produktion nicht weiter benötigt wird.

    Sie sind also in der neuen Welt (Dienstleistungsgesellschaft) noch nicht angekommen haben aber die alte (Industriegesellschaft) bereits verlassen.

    Das BGE bietet hier durchaus eine zeitgemäße Antwort auf die neue Situation. Denn es garantiert nun jeden Menschen unabhängig von seinen Beziehungen zur Legislativen ein Einkommen. Und wie ich gezeigt habe ist das Einkommen heute, in der Dienstleistungsgesellschaft, die Voraussetzung um arbeiten zu können.

    Es ist nur nicht so, wie du zu glauben scheinst, das hier das “Kapital” den Interessengegensatz bildet. Denn das “Kapital” schafft ja nicht die Abgeordnetenbezüge, das “Kapital” hat nicht die Zwangsabgabe für die öffentlich rechtliche Regierungspropagandaanstalten eingeführt usw..

    Das “Kapital” ist auch nicht die Ursache für die gegenwärtig sich anbahnenden zwischenstaatlichen Konflikte. Denn das Kapital globalisiert sich, wie wir von den “klassischen Linken” gelernt haben könnten.
    Es sind die nationalstaatlichen Strukturen bzw. die politischen Klassen die diese Strukturen repräsentieren.

    Unsere politische Aufgabe ist nicht der Kampf gegen ein kaum greifbares “Kapital” sondern gegen die Intransparenz und undemokratische Selbstgefälligkeit der politischen Entscheidungsfindung.

    Wir stehen vor globalen Problemen, die können nicht von einem national beschränkten, der Nation verpflichteten politischen Körper gelöst werden.

    Wir brauche globale Regeln, die eine gleichmäßige Entwicklung der Weltwirtschaft erlauben, die erfolgreich gegen Menschenhandel vorgehen kann, die regionale Konflikte löst und nicht wie heute durch nationale Eigeninteressen verschärft, die globale Umweltprobleme wie z.B. die Klimaerwärmung in den Griff bekommen kann.
    Dazu ist es notwendig machtvolle, globale, transparente und demokratische Institutionen aufzubauen und diejenigen die Deutschland dienen wollen in die Wüste zu schicken.

    Menschen aller Länder vereinigt euch.

    Frithjof

    Berlin mailing list
    Berlin@lists.piratenpartei.de
    https://service.piratenpartei.de/listinfo/berlin

  2. Also, ich finde den Text gut, aber was weiss ich schon? “A civility for the new precariat” ist das Liquid Feedback der Piratenpartei. Besteuert wird das Aus-, nicht das Einkommen. Asyl für Snowden et al. Die letzte Schlacht gewinnen wir! Lg, MiMaiMix

  3. Am 09.08.2014 17:56 schrieb “marsupilami pirat” :

    Na lassen wir mal die Theorie beiseite. Das ist immer nur eine Annäherung an die Wirklichkeit.

    Vor ein paar Tagen habe ich eine interessante Doku gesehen. Eine Bremer Journalistein reiste mit ihrem Vater nach Nord Korea der dort nach dem Koreakrieg als Aufbauhelfer von der DDR eingesetzt worden war (Wassserwirtschaft), auch die Tochter von Grothewohl kam zu. Sie hat damals zusammen mit der ca. 400 Personen starken Gruppe als Architektin Häuser für die Kriegswaisenkinder und Kindergärten gebaut.

    Nun aber zu dem eigentlichen Punkt. Die Nord-Koreaner wollten die Traktoren aus der DDR zurückschicken, denn die haben ihnen die “Arbeit weggenommen”. Sie haben Gräben in kürzerer Zeit mit nur wenigen Arbeitskräften ausgehoben. Die Frauen haben ihre Arbeit verloren, aber nur in dem sie nachweisen konnten, dass sie arbeiten, haben sie Lebensmittelgutscheine erhalten.

    Das selbe passiert auch hier, aber viel defizieler. Automatisierung und Rationalisierung erfordert immer weniger menschliche Arbeitskraft und so haben die Menschen nur noch soviel Mittel um gerade zu überleben, sprich das “Existenzminimum”, was ihnen von den anderen Mitgliedern der Gesellschaft zugebilligt wird. Sie werdsen als faul und ungebildet dargestellt und diffamiert. Ein gesellschaftliches Problem wird als ein individuelles dargestellt. Das müssen wir ändern, indem wir unser Denken und Reden verändern. Es geht hier nicht so sehr um “Zielgruppe”, wir alle sind die Zielgruppe indem wir nicht mehr Ursache und Wirkung verwechseln, sondern die Zusammenhänge begreifen und benennen und uns nicht mehr in die Irre führen lassen.

    Tschüss Marsupilami

  4. MarinaV schrieb:
    > Ich frage mich immer wenn ich das lese worauf das hinauslaufen soll. Also wenn ich morgens gekämmt und gebürstet dastehe, automatisch, schön und gut. Ich muss den garten nicht pflegen, nur wenn ich es möchte…
    > Geld habe ich nun sowieso und so… Zeit genug um menschlich für meine Mitmenschen da zu sein, und dann…? Ich kapiere es glaube ich einfach nicht so ganz…

    Ich glaube ich habe es gerade gemerkt, es ist Macht, die man gerne abgibt, durch Faulheit. Andere (nicht nur die Automatisierung) würden wiederum davon profitieren, da sie nun die Macht erhalten.
    Ich habe auch ziemlich “sexualisierte” Begriffe verwendet, wie mir auch gerade auffiel, “Garten” und “Bürsten”.
    Und andererseits “automatisch aufstehen”, andererseits “sich menschlich um Mitmschen” kümmern, hmmm…..

    [ebenso von der Berliner ML gezogen – der Ed.]

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