Pioniere der Träume

Das Buch des Monats der Juni-“Blätter” ist die “Stadt der Verlorenen” von Ben Rawience. Die Rezension berichtet von Dadaab, dem größten Flüchtlingslager der Welt, das seit 1992 auf 500.000 Menschen in Kenias Nordosten, an der Grenze zu Somalia angewachsen ist.

“Geld gibt es im Lager offiziell nicht, und doch wird es überall gebraucht”

Geradezu zynisch mutet es da an, wenn post-autonome Revolutionäre von einem Land ohne Geld träumen. Die Rezension hingegen malt ein Bild einer “wimmelnden Großstadt mit Kinos, mehreren Fußball-Ligen, Hotels und Krankenhäusern…” – alles organisch, selbst-organisiert und defizitär aus dem Provisorium entstanden. Es zeichnet ab, wie das Provisorium den globalen Dauerzustand widerspiegelt.

Gerd Müller, der Entwicklungshilfeminister, hat, glaub ich, gerade erst das Lager besucht; die EU wird das Lager im Zuge seiner Partnerschaft mit Afrika, zur “Fluchtursachenbekämpfung” bedenken und den Status-Quo, in dem den “Insassen” die Karotte der industrialisierten Welt vorgehalten wird und gerade mal so viel zugestanden wird, als dass sie in ihrem Provisorium verleiben, zu zementieren suchen.

Die Verknappung des Geldes jedoch stellt sich dar als der Grund, warum einige wenige Profiteure den großen Reibach machen, wohingegen die Masse, die den Normalzustand des Lagers erträglich macht, ohnmächtig gehalten werden. Die “Ökonomisierung des Sozialen,” wie sie an anderer Stelle trefflicher bezeichnet wird, folgt normativ einer kritischen Masse…

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