Risikoanalyse

Risikoanalyse zur Prävention von sexualisierter Gewalt

in der evangelischen
Kirchengemeinde Philippus-Nathanael Berlin

zur Vorlage dem GKR
am 7.10.2024 und Erstellung eines Schutzkonzeptes.

Leitfragen für die Risikoanalyse

(gemäß
den Musterfragen des Schutzkonzept vor sexualisierter Gewalt im
Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg – Stand 21. März 2023)

Konsolidierte Indikatoren

(aus der
Beschäftigung der Arbeitsgruppe: Ina-Maria Gorgis, Michael Ickes,
Sebastian Leenen, Maria Müller-A.)

Erfolgt in der Kirchengemeinde eine Auseinandersetzung mit
gewaltfördernden Bedingungen wie Abhängigkeitsverhältnissen,
Machtgefälle, Fremdbestimmung?

 

Sehr rudimentär und situationsbedingt: der Arbeitskreis
Risikoanalyse hat begonnen, diese Auseinandersetzung zu führen;
einzelne (Jugend-)Gruppen und Organisationen führen derartige
Auseinandersetzungen innerhalb ihres Bezugsrahmens.
Gibt es in der Gemeinde ein Bewusstsein darüber, dass es
jederzeit zu Handlungen von (sexualisierter) Gewalt kommen kann?
Nein, es ist kein Konsens erkennbar, ob der Brisanz von
sexualisierter Gewalt in dieser Gemeinde. (Siehe unten: wo keine
Vorfälle bekannt, kann sich auch kein Bewusstsein darüber
bilden). Spricht für die Notwendigkeit der konsequenten
Aufarbeitung lokaler Vorkommnissen (in der Gemeinde!) und
Aufklärung, ob der dynamischen Sachlage (z.B. dass sich Standards
und Kriterien für Grenzüberschreitungen und sexualisierter
Gewalt über die Zeit hinweg eben auch ändern können).
Welche Grenzüberschreitungen (auch sprachliche Überschreitungen)
sind im Gemeindealltag bereits in der Vergangenheit passiert?
Es sind keine Vorfälle bekannt, identifiziert oder dokumentiert.
Wo sind schwierige Situationen, die zu Grenzüberschreitungen
führen könnten?
  • Kinderchor:
    z.B. Abholsituation mit einem verbleibenden Kind

  • Orgelunterricht:
    Zweier-Situation;

  • Kindermusicalarbeit:
    Nutzung vieler (auch verborgener) Räume, viele
    Helfer:innen

  • Familiengottesdienste:
    großes wechselndes Team stiftet Verunsicherung

  • Kindergottesdienste:
    B
    ei bestimmten Gelegenheiten (Taufen, Feste) viele
    verschiedene unbekannte Menschen…

  • Konfirmandenarbeit:
    z.B. auf Fahrten. Separate, sexualisierte-Gewalt-spezifische
    Vorbereitung ist angezeigt und wird praktiziert.

  • Teamer“:
    Problem der Hierarchien/Abhängigkeiten

  • Kinderfreizeit,
    Jugendfahrt:
    Schulung aller Mitarbeitenden findet
    statt

  • Kitas:
    Die Gemeinde-eigene Kitas haben separate Schutzkonzepte, die
    jährlich vom GKR gemonitort werden.

  • Pfadfinder
    Phoenix
    CJF haben eigene Schutzkonzepte.

  • (Kinder
    der)
    eritreischen/
    ukrainische
    n
    Gemeinde

    mögen
    kulturbedingt abweichende Vorstellung von einem christlichen
    Umgang miteinander haben. Praktiken wie Genitalverstümmelung
    oder Chauvinismus, auch kriegs- und fluchtbedingte
    Verhaltensmuster, mögen dezidiert (auf spezifischen
    Infoveranstaltungen oder Themenabenden) angesprochen
    werden
    und
    damit in Austausch getreten werden.

  • Hauskreise
    sind
    praktisch geschlossene (aber gemeindeweit bekannte)
    Veranstaltungen von miteinander vertrauten Erwachsenen auf
    Augenhöhe und beherbergen damit ein niedriges Risiko der
    Ausübung von sexualisierter Gewalt.

  • Teamsitzungen
    in Privaträumen

    werden
    unterbunden. (siehe Verhaltenskodex)

  • Vertrauliche
    Seelsorge:
    Grundsätzlich
    sensible Situationen
    besonders
    im kirchlichen Bereich
    ;
    Problem
    der Hierarchien/Abhängigkeiten

  • Berufliche
    Mitarbeiter:
    innen:
    Reguläre
    Fortbildungen mögen die
    Gratwanderung
    zwischen
    professioneller
    Fürsorge
    und
    qualitätssichernden
    Kontrolle
    leiten.

  • Friedensgebet
    mit
    wechselnden Mitwirkenden

  • externe
    Mieter:

    Rias
    Kammerchor; Gospelchor; Orchester

Welche Schritte können unternommen werden, um
Grenzüberschreitungen zu vermeiden?

*
Für alle identifizierten Risikosituationen sollen praktikable
Abläufe entwickelt und definiert werden, breit (und
wiederholt) kommuniziert, implementiert und zur
integrierten Qualitätssicherung regelmäßig kontrolliert
(gemonitort) werden. Verschiedene Szenarien wurden bereits in dem
Arbeitskreis (gebrainstormt /) gesammelt, doch ohne ein
gesamtheitliches (systematisches, planmäßiges) und verbindliches
Vorgehen können diese individuellen Vorgehensweisen nicht ihre
Wirkung entfalten (sondern sind schlechtestenfalls
kontraproduktiv).

*
Standard-Setting: Der Schutz vor sexualisierter Gewalt ist
zeitgenössisch eine vornehmliche Aufgabe der evangelischen
Kirche. Denn sexualisierte Gewalt pervertiert und konterkariert
die Liebe und den Frieden Gottes. Dieser Grund- und Ansatz möge
durch Leitbild-Entwicklung und Propagation tief in der
Gemeindearbeit verankert werden. Grenzen (und erst damit
Grenzüberschreitungen) mögen dergestalt sichtbar gemacht werden.
Eine Aufgabe der Curriculum-Entwicklung. Vertrauensbildung
ein weiterer Aspekt.

*
Aufklärungsarbeit bez. der zeitgenössischen Situation und
Gefahren auf allen Ebenen und in allen möglichen Formaten
(Infoveranstaltungen, Diskussionsrunden, Themenabende, …) ist
angezeigt, sowie „Mainstreaming“ von sexualisierter
Gewalt: ehrenamtliche / gemeinde Willkommenskultur / Personal- /
Gliedergewinnung, wiederholender TO in den Gremien,
Agendasetting“ für Öffentlichkeitsarbeit,
(Vorbereitungstreffen von Ausfahrten und) Veranstaltungen.

*
Training (Qualifikation) von Haupt-/Ehrenamtlichen als
Multiplikatoren (die ihre neu gewonnene Fachkompetenz (z.B.
Windelwickeln in die Gemeinde und darüber hinaus tragen). Den
Pfarrer in den entsprechenden Fortbildungskurs schicken, um in die
Predigten einzubauen.

Gibt es Regeln für den angemessenen Umgang mit Nähe und Distanz
oder ist dies den beruflichen Mitarbeitenden überlassen?

Es
gibt Regeln (aus der pädagogischen Praxis), wie: erst fragen
bevor umarmen. Wie sie sich in der pädagogischen Praxis
durchsetzen, so werden sie von qualifizierten Mitarbeitern
umgesetzt und befolgt. Darüber hinaus verläuft die individuelle
und damit eine kollektive Bewusstseinsbildung unvereinheitlicht
und schleppend. Der Verhaltenskodex hängt zwischenzeitlich aus,
wenn darauf angesprochen reagieren Glieder und Menschen im Detail
kontrovers.

Sind diese Regeln den Gemeindegliedern bekannt (ggf. in leichter
Sprache / Gebärdensprache)

Im
Allgemeinen ist der EKBO Verhaltenskodex bekannt, im Detail ist er
allerdings umstritten. Er bildet eine gute Basis und Anregung für
Sensibilisierung, Diskussion und Bewussseinsbildung. Eine
Vermittlung des Verhaltenskodex möge entsprechend darauf
abzielen.

Entstehen bei der Arbeit besondere Vertrauensverhältnisse und wie
kann vorgebeugt werden, damit diese nicht ausgenutzt werden?

Selbstverständlich
entstehen in der Gemeindearbeit Vertrauensverhältnisse. Die
Formalisierung dieser durch exklusive seelsorgerische sowie
Parr-Gespräche bietet eine gewisse Sicherheit. Im Zuge einer
Aufarbeitung und Aufklärung müssen deren Praktiken, Techniken
und Ergebnisse unter (öffentliche / gemeindeinterne,
kontinuierliche) Prüfung.

Finden Übernachtungen in den Gemeinderäumen statt? Welche
Risiken bringen diese mit sich?

Nein,
im Zuge der wachsenden Verantwortung und Risiken (u.a. von
sexualisierter Gewalt) wurde derartig Risikobehaftete
Veranstaltungen gestrichen.

Gibt es spezifisch bauliche Gegebenheiten, die Risiken bergen
(versteckte Räume o.ä.)?

Standort
Philippus

 

  • Toilettenräume
    im Keller,

  • Musikzimmer
    im Gemeindehaus,

  • Pfadfindernest…
    sind
    allesamt abgelegen, wurden aber mit Aufklebern sensibel
    gestaltet.

Standort
Nathanael

 

  • Orange
    Island
    ist
    häufig leerstehend und vergessen;

  • Verwinkelte
    Bauweise
    und
    die Schlüsselliste ist nicht vertrauenserweckend;

  • in
    der Kirche gibt es verborgene Räume, deren Existenz
    Neuankömmlingen nahe gebracht werden sollte.

Gibt es nicht aufgearbeitete Vorerfahrungen mit sexualisierter
Gewalt?

Keine
bekannten. Das kann einerseits an keinen Vorkommnissen liegen,
oder aber die Gemeinde ist sich nicht in vollem Umfang bewusst, ob
der Niederschwelligkeit von sexualisierter Gewalt.

Gibt es klar definierte Zuständigkeiten?

Kaum.
Für Hauptamtliche gibt es Stellenbeschreibungen aber keine
(gesammelten) Aufgabenbeschreibungen für Ehrenamtliche oder
Beauftragungen des GKR.

Wie sehen die vorhandenen Strukturen aus?

Das „Leitungsteam“ des GKR setzt die Agenda, der GKR nickt ab.
Der GBR als Plattform der verschiedenen Gruppen versteht sich
weitgehend als ausführendes Organ.

Welche Kommunikationswege bestehen in der Gemeinde? Sind sie
transparent oder leicht manipulierbar?

Die
Kommunikationswege sind fragmentiert, intransparent und ad hoc.
ChurchDesk konkurriert mit dem Provider des Kirchenkreises.
Private Emails, WhatsApp Gruppen und Signal laufen parallel.

Gibt es wirksame präventive Maßnahmen bei bereits
identifizierten Risiken?

Die Gemeindearbeit tendiert dazu, die Angebote zu kürzen, wenn
dabei Risiken identifiziert werden. Beispiel: Gesprächskreis

Welche Bedingungen, Strukturen oder Arbeitsabläufe könnten aus
Täter- und Täterinnensicht bei der Planung und Umsetzung von
Taten genutzt werden?

Ehrenamtliche / Freiwilligenarbeit, fragmentierte und
verschachelte Zuständigkeiten (Gemeinde / Region / Kirchenkreis /
AKD / …)

Thematische Bereiche, die bei einer Risikoanalyse berücksichtigt
werden sollten

Interkultureller Kontext;

LGBTIQ


Arbeitspapier
PhilNat Gruppe zu Sexualisierten Gewalt
(Stand 2.09.24)

1. Risiko von was?

1.1. Das Risiko der Anwendung von Sexualisierter Gewalt

in der Gemeinde ist bedingt von externen Faktoren; es gibt keine Gemeinde-/öffentliche Geschichte von Sexualisierter Gewalt. Externe Faktoren beinhalten:
– Liberalisierung der Gesellschaft (damit meine ich einen Trend zur Diversifizierung von Sexualität und Gewalt);
– demographischer Wandel (verschiedene Kulturen und Wertvorstellungen treffen aufeinander);
– vermehrte (mediale) Aufmerksamkeit;
– “Systemisches Versagen” (Pröbstin) der evangelischen Kirche.

1.2.Aus diesen externen Faktoren ergibt sich ein Risiko

bezüglich:

1.3. Wie ist dieses Risiko zu bewerten?

1.4. Welches könnten mitigierende Maßnahmen sein?

der Vertuschung von Vorkommnissen von Sexualisierter Gewalt Transparenz schaffen: Welches sind denn die beanstandenswerte Vorkommnisse in der Gemeinde?

Für die “Schulungen” wollen wir ein Profiling / Stereotyping von Vorkommnissen.

die Risiken (gemäß ForumStudie) liegen insbesondere im institutionellen, seelsorgerischen Kontext – institutionelle Richtlinien und Verhaltenkodices
  • Kontrollmechanismen zur Qualitätssicherung auf breite Basis stellen (wir müssen wissen, was / wie in seelsorgerischen Sitzungen passiert)
  • in’s Training Curriculum aufnehmen
LGBTIQ+ Community als zeitgenössisch wahrgenommenen Risikogruppen von sexualisierter Gewalt – ist aus einer Vorlage für die Leitfragen gestrichen worden
– wird durch das kirchenkreisliche Engagement (z.B. CSD) abgedeckt
* Sichtbarkeit schaffen

  • in die Gemeinde tragen
  • Sensibilisieren / darüber reden
Die Öffentlichkeit rückt weiter vom Glauben ab – … – …
Risiken für die Gemeindearbeit – weil sich Mitarbeiter_innen ungerechtfertigt gegängelt fühlen – …
Verwässerung durch Derailing
Instrumentalisierung (der Sexualisierten Gewalt Agenda, z.B. für anderweitig zielführende Baumaßnahmen) – … – …

1.5. Bayes Gesetz

Für zwei Ereignisse A und B mit P(B)>0 lässt sich die Wahrscheinlichkeit von A unter der Bedingung, dass B eingetreten ist, durch die Wahrscheinlichkeit von B unter der Bedingung, dass A eingetreten ist, errechnen:

P(A∣B)=P(B∣A)⋅P(A)P(B).

Hierbei ist

P(A∣B) die (bedingte) Wahrscheinlichkeit des Ereignisses A unter der Bedingung, dass B eingetreten ist,
P(B∣A) die (bedingte) Wahrscheinlichkeit des Ereignisses B unter der Bedingung, dass A eingetreten ist,
P(A) die A-priori-Wahrscheinlichkeit des Ereignisses A und
P(B) die A-priori-Wahrscheinlichkeit des Ereignisses B.

Bei endlich vielen Ereignissen lautet der Satz von Bayes:

Wenn Ai,i=1,…,N eine Zerlegung der Ergebnismenge in disjunkte Ereignisse ist, gilt für die A-posteriori-Wahrscheinlichkeit P(Ai∣B)

P(Ai∣B)=P(B∣Ai)⋅P(Ai)P(B)=P(B∣Ai)⋅P(Ai)∑j=1NP(B∣Aj)⋅P(Aj).

Den letzten Umformungsschritt bezeichnet man auch als Marginalisierung.

Da ein Ereignis A und sein Komplement Ac stets eine Zerlegung der Ergebnismenge darstellen, gilt insbesondere

P(A∣B)=P(B∣A)⋅P(A)P(B∣A)⋅P(A)+P(B∣Ac)⋅P(Ac).

Des Weiteren gilt der Satz auch für eine Zerlegung des Grundraumes Ω in abzählbar viele paarweise disjunkte Ereignisse.

2. Risikoanalyse gemäß Leitfragen

 

Risikosituation

Kriterien & Indikatoren

Risiko

Vorsorge-

maßnahmen

1.1 Kinder und Jugendliche

Kinderchor

z.B. Abholsituation mit einem verbleibenden Kind

*

Schutzkonzepte

Orgelunterricht

Zweier-Situation; auch Möglichkeit falscher Beschuldigungen

*

Nicht abschließen

Kindermusicalarbeit

Nutzung vieler (auch verborgener) Räume, viele Helfer:innen

*

Führungszeugnisse;

Verhaltenskodex Schulung (FVS)

Familiengottesdienste

Kindergottesdienste

Bei bestimmten Gelegenheiten (Taufen, Feste)

FVS

Konfirmandenarbeit

Fahrten

**

FVS

Teamer“

Problem der Hierarchien/Abhängigkeiten

**

FVS

Kinderfreizeit, Jugendfahrt (Taize)

Schulung aller Mitarbeitenden findet statt

**

FVS

Kitas

Kontrolle des Kita-Schutzkonzepts durch GKR?

Pfadfinder Phoenix CJF

**

FVS

Bündische Jugend

Kinder in eritreischer / ukrainischer Gemeinde

z.B. FGM

Thematisierung

1.2 Erwachsene

Hauskreise

Problematik der Zwei-Personen-Situation

Teamsitzungen in Privaträumen

s.o.; nicht im Gemeindeblatt aufgeführt

Transparenz

Vertrauliche Seelsorge

Glastüren; FVS

Berufliche Mitarbeiter

Gratwanderung zwischen Fürsorge und Kontrolle

FVS

externe Mieter

alle

Problematik diskutieren, Achtsamkeit einüben

Infoveranstaltungen

Vereinsarbeit, Arbeitsgruppen

Transparenz durch Dokumentation

2 Räumlichkeiten mit

Gefährdungspotenzial

Kommentar

Risiko

Vorsorge-

maßnahmen

Verantwortlich; bis wann?

2.1 Standort Philippus

Toilettenräume im Keller

abgelegen

*

Mit Aufklebern vollballern (nachdem Kommunikationspfade etabliert sind)

Musikzimmer im Gemeindehaus

abgelegen

*

Pfadfindernest

abgelegen

**

2.2 Standort Nathanael

Orange Island

Häufig leerstehend; Schlüsselsituation unklar

*

Schlüsselliste aktualisieren / aktualisiert halten, Hausmeisterdienst

Verwinkelte Bauweise

Zugang zu Schlüsseln unbekannt

Kirche

Verborgene Räume

   

5 comments on “Risikoanalyse

  • Schutz vor sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche

    Ende Januar 2024 wurde die ForuM-Studie zum sexuellen Missbrauch in der Evangelischen Kirche (EKD) der Öffentlichkeit vorgestellt. Betroffene weisen darauf hin, dass die Fallzahlen „nicht allzu weit weg sind von der katholischen Kirche“. Die Studie zeige nur die Spitze des Eisbergs. Der Vertrauensverlust in der Gesellschaft ist riesig. Die kirchlichen Aufklärungsbemühungen werden in Zweifel gezogen. Wir Kirchenmitglieder, die den Namen von Jesus Christus tragen, stehen in der Verantwortung, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht.

    Nun hat sich endlich auch die EKD auf den Weg gemacht, sich mit den Tatsachen auseinanderzusetzen. Sie selbst hatte die ForuM-Studie 2021 in Auftrag gegeben.
    Auf allen Ebenen (Evangelische Kirche in Deutschland – 20 Landeskirchen – Diakonie Deutschland – Kirchenkreise – Kirchengemeinden) wird dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Dabei geht es erstens um die Aufarbeitung vergangener Fälle und die Entschädigung Betroffener. Dazu werden landesweit Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommissionen (URAK) eingerichtet, die 2025 ihre Arbeit aufnehmen sollen. Zweitens haben alle Beteiligten die Aufgabe, Schutzkonzepte zu erarbeiten, die im Wesentlichen darin bestehen, dass die beruflich oder ehrenamtlich Mitarbeitenden Schulungen zum Thema sexualisierte Gewalt erhalten, erweiterte Führungszeugnisse vorlegen und einen Verhaltenskodex unterschreiben. Dies gebietet die Solidarität miteinander und mit den Opfern. Drittens werden Fälle von sexueller Belästigung oder Gewalt konsequent gemeldet.

    Auch in unserer Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde haben wir seit Februar begonnen, die Form unseres zukünftigen Schutzkonzeptes zu diskutieren. Eine Arbeitsgruppe hat eine Risikoanalyse vorgenommen und bereitet die Schritte vor, die die Gemeinde gehen möchte, um das vertrauensvolle Miteinander in der Gemeindearbeit zu bewahren bzw. wieder herzustellen. Am 09.06. gab es eine erste Infoveranstaltung. Auch hat der Gemeindekirchenrat im Juni unseren Superintendenten Raddatz und die kreiskirchliche Ansprechperson Biskup zur Sitzung eingeladen und den Stand der Diskussion besprochen.

    Sie werden demnächst über Abkündigungen, Plakate und Website davon hören und sehen und sind herzlich eingeladen, auf Infoveranstaltungen an der Entwicklung des Verhaltenskodex mitzuwirken sowie an Schulungen teilzunehmen.

    Schutz vor sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche
    Ende Januar 2024 wurde die ForuM-Studie zum sexuellen Missbrauch in der Evangelischen Kirche (EKD) der Öffentlichkeit vorgestellt. Betroffene weisen darauf hin, dass die Fallzahlen „nicht allzu weit weg sind von der katholischen Kirche“. Der Vertrauensverlust in der Gesellschaft ist riesig. Die kirchlichen Aufklärungsbemühun-gen werden in Zweifel gezogen. Wir Kirchenmitglieder, die den Namen von Jesus Christus tragen, stehen in der Verantwortung, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht.
    Nun hat sich endlich auch die EKD auf den Weg gemacht, sich mit den Tatsachen auseinanderzusetzen. Sie selbst hatte die ForuM-Studie 2021 in Auftrag gegeben. Auf allen Ebenen (EKD– 20 Landeskirchen – Diakonie – Kirchenkreise – Kirchengemeinden) wird dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Dabei geht es erstens um die Aufarbeitung vergangener Fälle und die Entschädigung Betroffener. Dazu werden landesweit Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommissionen (URAK) eingerichtet, die 2025 ihre Arbeit aufnehmen sollen. Zweitens haben alle Beteiligten die Aufgabe, Schutzkonzepte zu erarbeiten, die im Wesentlichen darin bestehen, dass die beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden Schulungen zum Thema erhalten, Führungszeugnisse vorlegen und einen Verhaltenskodex unterschreiben. Dies gebietet die Solidarität miteinander und mit den Opfern. Drittens werden Fälle von sexueller Belästigung oder Gewalt konsequent gemeldet.
    Auch in unserer Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde haben wir seit Februar begonnen, die Form unseres zukünftigen Schutzkonzeptes zu diskutieren. Eine Arbeitsgruppe hat eine Risikoanalyse vorgenommen und bereitet die Schritte vor, die die Gemeinde gehen möchte, um das vertrauensvolle Miteinander in der Gemeindearbeit mit Sensibilität und Achtsamkeit zu verbinden. Am 09.06. gab es eine erste Infoveranstaltung. Auch hat der Gemeindekirchenrat im Juni unseren Superintendenten Raddatz und die kreiskirchliche Ansprechperson Biskup zur Sitzung eingeladen und den Stand der Diskussion besprochen.

    Sie werden demnächst über Abkündigungen, Plakate und Website davon hören und sehen und sind herzlich eingeladen, auf Infoveranstaltungen an der Entwicklung des Verhaltenskodex mitzuwirken sowie an Schulungen teilzunehmen.
    Ina-Marie G.

    Reply
  • Anonym says:

    Lieber Michael,
    das Thema und die Situation sind deutlich dargestellt…
    Danke für deinen Einsatz
    Lg
    Maria

    Reply
  • Anonym says:

    Fragen zur Risikoanalyse:
    * wie wird bei der Besetzung der neuen Pfarrstelle sicher gestellt, dass sie nicht mit einer/m belasteter Pfarrer/in besetzt wird?
    -> Gemeinde muss vollen Einblick in die (erweiterte) Personalakte (eines jeden vom Kirchenkreis, der EKBO und EKD Mitarbeitenden) bekommen, um das Vertrauen wiederherzustellen;
    * inwieweit wird bei der / den Stellenbesetzungen auf die Bedeutung von Sexualisierter Gewalt hingewiesen / geachtet / abgefragt / eingefordert?
    -> das gilt auch für die Kitas; Stellenausschreibungen auf Ebay-Kleinanzeigen schaffen kein Vertrauen;
    * inwieweit werden die Multiplikatoren-Funktion eines jeden sensibilisierten Mitarbeitenden und Glied geachtet? Inwieweit spielt die Kita dabei ihre Vorreiterrolle aus?
    * inwieweit sind die etablierten Strukturen des Kirchenkreis (und aufwärts) belastbar? – z.B. Wenn wir jetzt alle Toiletten und kritische Orte vollkleben mit den Aufklebern zur sexualisierten Gewalt, wieviel Telefonnummern muss ein Betroffenes wählen, um Hilfe zu bekommen? -> *eine* zentrale Nummer, 24h, ko-gesponsort vom evangelischen Kirchenkreis;
    * inwieweit wird den speziellen Bedarfen von sexuellen Randgruppen (LGBTIQ+) in den (Vorstellungen des) Schutzkonzeptes Rechnung getragen?
    * inwieweit decken sich die evangelischen pädagogischen Konzepte mit der zeitgenössischen Theorie und Praxis der Sexualaufklärung?
    * inwieweit werden Kriegserfahrung (Militarisierung) und Fluchtgeschichte (Lagerleben), sowie kulturspezifische Praktiken in die Agenda zur Prävention von sexualisierter Gewalt aufgenommen?
    * wie weit schränken die Auflagen zur Präventation von sexualisierter Gewalt, insbesondere mit der Erweiterung der Achtsamkeit um Grenzüberschreitungen, die christliche, kirchliche und Gemeindearbeit ein? Inwieweit binden sie Ressourcen, geben ein falsches Signal der Sicherheit und lenken von der eigentlichen Problematik ab?

    Reply

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