Risikoanalyse zur Prävention von sexualisierter Gewalt
in der evangelischen
Kirchengemeinde Philippus-Nathanael Berlin
zur Vorlage dem GKR
am 7.10.2024 und Erstellung eines Schutzkonzeptes.
Leitfragen für die Risikoanalyse(gemäß |
Konsolidierte Indikatoren(aus der |
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Erfolgt in der Kirchengemeinde eine Auseinandersetzung mit
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Sehr rudimentär und situationsbedingt: der Arbeitskreis Risikoanalyse hat begonnen, diese Auseinandersetzung zu führen; einzelne (Jugend-)Gruppen und Organisationen führen derartige Auseinandersetzungen innerhalb ihres Bezugsrahmens. |
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| Gibt es in der Gemeinde ein Bewusstsein darüber, dass es jederzeit zu Handlungen von (sexualisierter) Gewalt kommen kann? |
Nein, es ist kein Konsens erkennbar, ob der Brisanz von sexualisierter Gewalt in dieser Gemeinde. (Siehe unten: wo keine Vorfälle bekannt, kann sich auch kein Bewusstsein darüber bilden). Spricht für die Notwendigkeit der konsequenten Aufarbeitung lokaler Vorkommnissen (in der Gemeinde!) und Aufklärung, ob der dynamischen Sachlage (z.B. dass sich Standards und Kriterien für Grenzüberschreitungen und sexualisierter Gewalt über die Zeit hinweg eben auch ändern können). |
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| Welche Grenzüberschreitungen (auch sprachliche Überschreitungen) sind im Gemeindealltag bereits in der Vergangenheit passiert? |
Es sind keine Vorfälle bekannt, identifiziert oder dokumentiert. | |||||||
| Wo sind schwierige Situationen, die zu Grenzüberschreitungen führen könnten? |
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Welche Schritte können unternommen werden, um |
* * * * |
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Gibt es Regeln für den angemessenen Umgang mit Nähe und Distanz |
Es |
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Sind diese Regeln den Gemeindegliedern bekannt (ggf. in leichter |
Im |
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Entstehen bei der Arbeit besondere Vertrauensverhältnisse und wie |
Selbstverständlich |
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Finden Übernachtungen in den Gemeinderäumen statt? Welche |
Nein, |
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Gibt es spezifisch bauliche Gegebenheiten, die Risiken bergen |
Standort
Standort
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Gibt es nicht aufgearbeitete Vorerfahrungen mit sexualisierter |
Keine |
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Gibt es klar definierte Zuständigkeiten? |
Kaum. |
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Wie sehen die vorhandenen Strukturen aus? |
Das „Leitungsteam“ des GKR setzt die Agenda, der GKR nickt ab. |
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Welche Kommunikationswege bestehen in der Gemeinde? Sind sie |
Die |
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Gibt es wirksame präventive Maßnahmen bei bereits |
Die Gemeindearbeit tendiert dazu, die Angebote zu kürzen, wenn |
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Welche Bedingungen, Strukturen oder Arbeitsabläufe könnten aus |
Ehrenamtliche / Freiwilligenarbeit, fragmentierte und |
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Thematische Bereiche, die bei einer Risikoanalyse berücksichtigt |
Interkultureller Kontext; LGBTIQ |
Arbeitspapier
PhilNat Gruppe zu Sexualisierten Gewalt
(Stand 2.09.24)
1. Risiko von was?
1.1. Das Risiko der Anwendung von Sexualisierter Gewalt
in der Gemeinde ist bedingt von externen Faktoren; es gibt keine Gemeinde-/öffentliche Geschichte von Sexualisierter Gewalt. Externe Faktoren beinhalten:
– Liberalisierung der Gesellschaft (damit meine ich einen Trend zur Diversifizierung von Sexualität und Gewalt);
– demographischer Wandel (verschiedene Kulturen und Wertvorstellungen treffen aufeinander);
– vermehrte (mediale) Aufmerksamkeit;
– “Systemisches Versagen” (Pröbstin) der evangelischen Kirche.
1.2.Aus diesen externen Faktoren ergibt sich ein Risikobezüglich: |
1.3. Wie ist dieses Risiko zu bewerten? |
1.4. Welches könnten mitigierende Maßnahmen sein? |
| der Vertuschung von Vorkommnissen von Sexualisierter Gewalt | … | Transparenz schaffen: Welches sind denn die beanstandenswerte Vorkommnisse in der Gemeinde?
Für die “Schulungen” wollen wir ein Profiling / Stereotyping von Vorkommnissen. |
| die Risiken (gemäß ForumStudie) liegen insbesondere im institutionellen, seelsorgerischen Kontext | – institutionelle Richtlinien und Verhaltenkodices |
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| LGBTIQ+ Community als zeitgenössisch wahrgenommenen Risikogruppen von sexualisierter Gewalt | – ist aus einer Vorlage für die Leitfragen gestrichen worden – wird durch das kirchenkreisliche Engagement (z.B. CSD) abgedeckt |
* Sichtbarkeit schaffen
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| Die Öffentlichkeit rückt weiter vom Glauben ab | – … | – … |
| Risiken für die Gemeindearbeit | – weil sich Mitarbeiter_innen ungerechtfertigt gegängelt fühlen | – … |
| Verwässerung durch Derailing | ||
| Instrumentalisierung (der Sexualisierten Gewalt Agenda, z.B. für anderweitig zielführende Baumaßnahmen) | – … | – … |
1.5. Bayes Gesetz
Für zwei Ereignisse A und B mit P(B)>0 lässt sich die Wahrscheinlichkeit von A unter der Bedingung, dass B eingetreten ist, durch die Wahrscheinlichkeit von B unter der Bedingung, dass A eingetreten ist, errechnen:
- P(A∣B)=P(B∣A)⋅P(A)P(B).
Hierbei ist
- P(A∣B) die (bedingte) Wahrscheinlichkeit des Ereignisses A unter der Bedingung, dass B eingetreten ist,
- P(B∣A) die (bedingte) Wahrscheinlichkeit des Ereignisses B unter der Bedingung, dass A eingetreten ist,
- P(A) die A-priori-Wahrscheinlichkeit des Ereignisses A und
- P(B) die A-priori-Wahrscheinlichkeit des Ereignisses B.
Bei endlich vielen Ereignissen lautet der Satz von Bayes:
Wenn Ai,i=1,…,N eine Zerlegung der Ergebnismenge in disjunkte Ereignisse ist, gilt für die A-posteriori-Wahrscheinlichkeit P(Ai∣B)
- P(Ai∣B)=P(B∣Ai)⋅P(Ai)P(B)=P(B∣Ai)⋅P(Ai)∑j=1NP(B∣Aj)⋅P(Aj).
Den letzten Umformungsschritt bezeichnet man auch als Marginalisierung.
Da ein Ereignis A und sein Komplement Ac stets eine Zerlegung der Ergebnismenge darstellen, gilt insbesondere
- P(A∣B)=P(B∣A)⋅P(A)P(B∣A)⋅P(A)+P(B∣Ac)⋅P(Ac).
Des Weiteren gilt der Satz auch für eine Zerlegung des Grundraumes Ω in abzählbar viele paarweise disjunkte Ereignisse.
2. Risikoanalyse gemäß Leitfragen
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Risikosituation |
Kriterien & Indikatoren |
Risiko |
Vorsorge- maßnahmen |
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1.1 Kinder und Jugendliche |
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Kinderchor |
z.B. Abholsituation mit einem verbleibenden Kind |
* |
Schutzkonzepte |
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Orgelunterricht |
Zweier-Situation; auch Möglichkeit falscher Beschuldigungen |
* |
Nicht abschließen |
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Kindermusicalarbeit |
Nutzung vieler (auch verborgener) Räume, viele Helfer:innen |
* |
Führungszeugnisse; Verhaltenskodex Schulung (FVS) |
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Familiengottesdienste |
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Kindergottesdienste |
Bei bestimmten Gelegenheiten (Taufen, Feste) |
FVS |
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Konfirmandenarbeit |
Fahrten |
** |
FVS |
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|
„Teamer“ |
Problem der Hierarchien/Abhängigkeiten |
** |
FVS |
|
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Kinderfreizeit, Jugendfahrt (Taize) |
Schulung aller Mitarbeitenden findet statt |
** |
FVS |
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Kitas |
Kontrolle des Kita-Schutzkonzepts durch GKR? |
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Pfadfinder Phoenix CJF |
** |
FVS |
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Bündische Jugend |
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Kinder in eritreischer / ukrainischer Gemeinde |
z.B. FGM |
Thematisierung |
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1.2 Erwachsene |
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Hauskreise |
Problematik der Zwei-Personen-Situation |
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Teamsitzungen in Privaträumen |
s.o.; nicht im Gemeindeblatt aufgeführt |
Transparenz |
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Vertrauliche Seelsorge |
Glastüren; FVS |
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Berufliche Mitarbeiter |
Gratwanderung zwischen Fürsorge und Kontrolle |
FVS |
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|
externe Mieter |
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alle |
Problematik diskutieren, Achtsamkeit einüben |
Infoveranstaltungen |
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Vereinsarbeit, Arbeitsgruppen |
Transparenz durch Dokumentation |
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2 Räumlichkeiten mit Gefährdungspotenzial |
Kommentar |
Risiko |
Vorsorge- maßnahmen |
Verantwortlich; bis wann? |
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2.1 Standort Philippus |
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Toilettenräume im Keller |
abgelegen |
* |
Mit Aufklebern vollballern (nachdem Kommunikationspfade etabliert sind) |
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Musikzimmer im Gemeindehaus |
abgelegen |
* |
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Pfadfindernest |
abgelegen |
** |
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2.2 Standort Nathanael |
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Orange Island |
Häufig leerstehend; Schlüsselsituation unklar |
* |
Schlüsselliste aktualisieren / aktualisiert halten, Hausmeisterdienst |
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Verwinkelte Bauweise |
Zugang zu Schlüsseln unbekannt |
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Kirche |
Verborgene Räume |
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5 comments on “Risikoanalyse”
In’s Schutzkonzept sollte auf alle Fälle ein Kommunikationspfad zur Polizei (Ergänzung S.), ggfls. kommunales / inter-institutionelles Vorgehen…
Schutz vor sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche
Ende Januar 2024 wurde die ForuM-Studie zum sexuellen Missbrauch in der Evangelischen Kirche (EKD) der Öffentlichkeit vorgestellt. Betroffene weisen darauf hin, dass die Fallzahlen „nicht allzu weit weg sind von der katholischen Kirche“. Die Studie zeige nur die Spitze des Eisbergs. Der Vertrauensverlust in der Gesellschaft ist riesig. Die kirchlichen Aufklärungsbemühungen werden in Zweifel gezogen. Wir Kirchenmitglieder, die den Namen von Jesus Christus tragen, stehen in der Verantwortung, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht.
Nun hat sich endlich auch die EKD auf den Weg gemacht, sich mit den Tatsachen auseinanderzusetzen. Sie selbst hatte die ForuM-Studie 2021 in Auftrag gegeben.
Auf allen Ebenen (Evangelische Kirche in Deutschland – 20 Landeskirchen – Diakonie Deutschland – Kirchenkreise – Kirchengemeinden) wird dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Dabei geht es erstens um die Aufarbeitung vergangener Fälle und die Entschädigung Betroffener. Dazu werden landesweit Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommissionen (URAK) eingerichtet, die 2025 ihre Arbeit aufnehmen sollen. Zweitens haben alle Beteiligten die Aufgabe, Schutzkonzepte zu erarbeiten, die im Wesentlichen darin bestehen, dass die beruflich oder ehrenamtlich Mitarbeitenden Schulungen zum Thema sexualisierte Gewalt erhalten, erweiterte Führungszeugnisse vorlegen und einen Verhaltenskodex unterschreiben. Dies gebietet die Solidarität miteinander und mit den Opfern. Drittens werden Fälle von sexueller Belästigung oder Gewalt konsequent gemeldet.
Auch in unserer Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde haben wir seit Februar begonnen, die Form unseres zukünftigen Schutzkonzeptes zu diskutieren. Eine Arbeitsgruppe hat eine Risikoanalyse vorgenommen und bereitet die Schritte vor, die die Gemeinde gehen möchte, um das vertrauensvolle Miteinander in der Gemeindearbeit zu bewahren bzw. wieder herzustellen. Am 09.06. gab es eine erste Infoveranstaltung. Auch hat der Gemeindekirchenrat im Juni unseren Superintendenten Raddatz und die kreiskirchliche Ansprechperson Biskup zur Sitzung eingeladen und den Stand der Diskussion besprochen.
Sie werden demnächst über Abkündigungen, Plakate und Website davon hören und sehen und sind herzlich eingeladen, auf Infoveranstaltungen an der Entwicklung des Verhaltenskodex mitzuwirken sowie an Schulungen teilzunehmen.
Schutz vor sexualisierter Gewalt in der evangelischen Kirche
Ende Januar 2024 wurde die ForuM-Studie zum sexuellen Missbrauch in der Evangelischen Kirche (EKD) der Öffentlichkeit vorgestellt. Betroffene weisen darauf hin, dass die Fallzahlen „nicht allzu weit weg sind von der katholischen Kirche“. Der Vertrauensverlust in der Gesellschaft ist riesig. Die kirchlichen Aufklärungsbemühun-gen werden in Zweifel gezogen. Wir Kirchenmitglieder, die den Namen von Jesus Christus tragen, stehen in der Verantwortung, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht.
Nun hat sich endlich auch die EKD auf den Weg gemacht, sich mit den Tatsachen auseinanderzusetzen. Sie selbst hatte die ForuM-Studie 2021 in Auftrag gegeben. Auf allen Ebenen (EKD– 20 Landeskirchen – Diakonie – Kirchenkreise – Kirchengemeinden) wird dieses Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Dabei geht es erstens um die Aufarbeitung vergangener Fälle und die Entschädigung Betroffener. Dazu werden landesweit Unabhängige Regionale Aufarbeitungskommissionen (URAK) eingerichtet, die 2025 ihre Arbeit aufnehmen sollen. Zweitens haben alle Beteiligten die Aufgabe, Schutzkonzepte zu erarbeiten, die im Wesentlichen darin bestehen, dass die beruflich und ehrenamtlich Mitarbeitenden Schulungen zum Thema erhalten, Führungszeugnisse vorlegen und einen Verhaltenskodex unterschreiben. Dies gebietet die Solidarität miteinander und mit den Opfern. Drittens werden Fälle von sexueller Belästigung oder Gewalt konsequent gemeldet.
Auch in unserer Philippus-Nathanael-Kirchengemeinde haben wir seit Februar begonnen, die Form unseres zukünftigen Schutzkonzeptes zu diskutieren. Eine Arbeitsgruppe hat eine Risikoanalyse vorgenommen und bereitet die Schritte vor, die die Gemeinde gehen möchte, um das vertrauensvolle Miteinander in der Gemeindearbeit mit Sensibilität und Achtsamkeit zu verbinden. Am 09.06. gab es eine erste Infoveranstaltung. Auch hat der Gemeindekirchenrat im Juni unseren Superintendenten Raddatz und die kreiskirchliche Ansprechperson Biskup zur Sitzung eingeladen und den Stand der Diskussion besprochen.
Sie werden demnächst über Abkündigungen, Plakate und Website davon hören und sehen und sind herzlich eingeladen, auf Infoveranstaltungen an der Entwicklung des Verhaltenskodex mitzuwirken sowie an Schulungen teilzunehmen.
Ina-Marie G.
Lieber Michael,
das Thema und die Situation sind deutlich dargestellt…
Danke für deinen Einsatz
Lg
Maria
24h Hausmeisterdienst aus der Gemeinde!Reference
Fragen zur Risikoanalyse:
* wie wird bei der Besetzung der neuen Pfarrstelle sicher gestellt, dass sie nicht mit einer/m belasteter Pfarrer/in besetzt wird?
-> Gemeinde muss vollen Einblick in die (erweiterte) Personalakte (eines jeden vom Kirchenkreis, der EKBO und EKD Mitarbeitenden) bekommen, um das Vertrauen wiederherzustellen;
* inwieweit wird bei der / den Stellenbesetzungen auf die Bedeutung von Sexualisierter Gewalt hingewiesen / geachtet / abgefragt / eingefordert?
-> das gilt auch für die Kitas; Stellenausschreibungen auf Ebay-Kleinanzeigen schaffen kein Vertrauen;
* inwieweit werden die Multiplikatoren-Funktion eines jeden sensibilisierten Mitarbeitenden und Glied geachtet? Inwieweit spielt die Kita dabei ihre Vorreiterrolle aus?
* inwieweit sind die etablierten Strukturen des Kirchenkreis (und aufwärts) belastbar? – z.B. Wenn wir jetzt alle Toiletten und kritische Orte vollkleben mit den Aufklebern zur sexualisierten Gewalt, wieviel Telefonnummern muss ein Betroffenes wählen, um Hilfe zu bekommen? -> *eine* zentrale Nummer, 24h, ko-gesponsort vom evangelischen Kirchenkreis;
* inwieweit wird den speziellen Bedarfen von sexuellen Randgruppen (LGBTIQ+) in den (Vorstellungen des) Schutzkonzeptes Rechnung getragen?
* inwieweit decken sich die evangelischen pädagogischen Konzepte mit der zeitgenössischen Theorie und Praxis der Sexualaufklärung?
* inwieweit werden Kriegserfahrung (Militarisierung) und Fluchtgeschichte (Lagerleben), sowie kulturspezifische Praktiken in die Agenda zur Prävention von sexualisierter Gewalt aufgenommen?
* wie weit schränken die Auflagen zur Präventation von sexualisierter Gewalt, insbesondere mit der Erweiterung der Achtsamkeit um Grenzüberschreitungen, die christliche, kirchliche und Gemeindearbeit ein? Inwieweit binden sie Ressourcen, geben ein falsches Signal der Sicherheit und lenken von der eigentlichen Problematik ab?